In den Wäldern Afrikas

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Dieses Buch schildert, wie sich ein kleiner, naturverbunden lebender Volksstamm im Herzen Afrikas auf dem Weg zur Gotterkenntnis entwickelt. Die Erzählung spielt zur Zeit Moses und ergänzt die Buchreihe „Verwehte Zeit erwacht“, in der „geschaute Geschichte“ geboten wird – aufgezeichnet von Menschen, die für Einblicke in die geistigen Zusammenhänge vergangener Geschehen geöffnet waren. Die Erzählung sollte daher weder als objektive Geschichtsschreibung noch als schriftstellerische Phantasie verstanden werden. In einer die Empfindung unmittelbar berührenden Art schrieb der Verfasser auf, was er schaute, verstand sich aber nicht als Autor im üblichen Sinn. Daher wird auf die Nennung eines Autorennamens verzichtet.
Additional Information
ISBN 978-3-87860-726-7
Dimensions 11,5 x 18 cm
Format Paperback
Language Deutsch
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In den Wäldern Afrikas

Braune Gestalten huschten um das Feuer, dessen rötliches Flackern nur einen kleinen Umkreis des Tales erhellte.

Es schien über einen Wall von Stachelgewächsen, deren Blüten sich zur Nacht erschließen wollten und süßen Duft aussandten. Große, bunte Schmetterlinge zog dieser Duft an. Sie umschwebten die Blüten mit leisem Surren.

Die Menschen aber, die sich zum Feuer drängten, um einen guten Platz zu erhalten, sahen und spürten die Schönheit nicht. Sie hatten auch sonst keinen Blick dafür. Gröber und größer mußte das sein, das ihnen auffallen sollte.

Jetzt schien eine gewisse Unruhe in das Hasten und Drängen gekommen zu sein. In dichtem Kranze hockten sie am Boden, so daß die braunen, halbbekleideten Leiber einander berührten, ohne daß die Menschen dessen gewahr wurden. Sie waren es nicht anders gewöhnt.

Ihre Augen hingen gierig an dem großen Fleischstück, das über dem Feuer langsam gebraten wurde. Der herabtropfende Saft fiel in die Flammen und entsandte einen scharfen, brenzligen Geruch, der alles Duften ringsum übertäubte.

Das Tropfen hörte auf, eine braune Kruste bildete sich um den Braten. Lippen begannen zu schmatzen, hastig fuhren rote Zungen darüber im Vorgeschmack des Genusses.

Seitwärts füllten zwei Frauen Ziegenmilch in viele kleine Tonschalen, deren keine der anderen glich. Erzeugnisse, die aus den Händen der Frauen des Stammes hervorgegangen waren. Jede der Frauen hatte eine andere Art, ihre Tonwaren zu schmücken. Es war ihr Stolz, immer Neues zu erdenken.

Nun waren sie mit ihrer Arbeit fertig, die sie schweigend, mit lässigen Bewegungen verrichtet hatten. Zu gleicher Zeit kündete vermehrtes Schmatzen an, daß die Speise gar sei.

Zwei Männer erhoben sich auf einen scharf klingenden Zuruf der den Braten betreuenden Frau. Sie hatten kleine Beintrommeln, mit denen sie taktmäßig einen ohrenbetäuben den Lärm vollführten, der nach einer augenscheinlich bestimmten Spanne Zeit genau so gleichzeitig abbrach, wie er begonnen hatte. Nun lauschten sie.

Aus der Nähe klang der Schrei einer Eule. Da setzten sie sich befriedigt wieder auf ihren Platz und warteten mit den anderen.

Die Ungeduld der Harrenden aber wurde auf eine harte Probe gestellt. Geraume Zeit verging, da endlich sah man einen Lichtschein näher kommen. Nach wenigen Augenblicken konnte man Menschen erkennen, die sich auf das Feuer zu bewegten.

Unter Führung von zwei schwarzen, fast unbekleideten Männern, die brennendes Holz in Händen trugen und vorsichtig den Pfad erleuchteten, kamen fünf weibliche Gestalten.

Nun waren sie im Feuerkreis angekommen. Die Sitzenden sprangen empor und stießen eigenartig singende Töne aus, die Ergebenheit und Willkommen bedeuten sollten. Sie ähnelten aber mehr dem Schrei des wilden Tieres nach Nahrung.

Die Männer ließen sich hinter dem Kreis in der Nähe des Gebüschwalles nieder, während die fünf Frauen an das Feuer traten, das sie hell beleuchtete.

Vier von ihnen ähnelten einander in der Kleidung: sie trugen einen aus Fasern geflochtenen farbigen Lendenschurz, der sie ringsherum umschloß, dazu ein großes viereckiges Stück Flechtwerk, das in der Mitte ein Loch hatte, groß genug, daß der Kopf hindurchschlüpfen konnte. Dieses Stück verhüllte den Oberkörper. Die Beine waren unbekleidet, wenn man nicht die dicken Faserbüschel, die um die Knöchel gelegt waren, als Bekleidung rechnen wollte.

Im Alter waren diese Frauen verschieden. Während zwei noch ziemlich jung zu sein schienen, waren die beiden anderen betagt.

Sie waren wohlgenährt, die dicken Wangen glänzten von Fett, ebenso die Glieder, soweit sie nicht von dem Flechtwerk bedeckt waren. Wulstig vorstehende Lippen gaben den an sich nicht unschönen Gesichtern einen abstoßenden Zug. Ganz unten durch die Nase war ein Elfenbeinstäbchen geschoben. Auch in den krausen schwarzen Haaren waren welche befestigt.

Ganz anders die fünfte Frau: ihr bräunliches Gesicht war lang, schmal die Lippen und unentstellt die Nase. Ihre Kleidung bestand aus einem weißen Gewand, das gewebt zu sein schien.

Wie bei den anderen Frauen war im Gewand in der Mitte eine Öffnung eingeschnitten, aus der ihr kleiner Kopf herausragte. Diese weiße Hülle aber reichte bis auf die Füße herab und umschloß die ganze Gestalt. In der Mitte war sie von einem aus Fasern geknüpften bunten Strick gehalten und zum Gehen etwas geschürzt.

Wie ein Wesen aus der Fremde stand sie zwischen den anderen. Ihr Alter war schwer zu bestimmen, die erste Jugend mochte sie aber hinter sich haben.

„Bu-anan!“ riefen die Leute ihr zu, „Bu-anan, weiße Mutter!“

Ohne zu antworten, schritt sie zu dem für sie bestimmten Sitz, der durch ein mehrfach übereinandergelegtes Löwenfell gekennzeichnet war. Dadurch saß sie höher als die anderen, die auf dem Erdboden ihren Platz hatten.

Die beiden jüngeren, mit ihr gekommenen Frauen blieben hinter ihr stehen, die beiden anderen aber traten zum Feuer und halfen, das Fleisch vom Feuer zu heben, und legten es auf flache Steine.

Danach kamen zwei Männer, die es mit ihren kurzen Bronzemessern in soviel Teile schnitten, als die Frauen ihnen angaben.

Bu-anan erhob sich mit einer gewissen Anmut. Sie streckte die Arme vor sich hin, die Handflächen nach oben gekehrt.

„Anu, Gott, wir danken Dir für diese wohlschmeckende Speise!“ sagte sie mit angenehm klingender, etwas singender Stimme.

Zu ihr wurden nun die Steine mit dem zerschnittenen, dampfenden Fleisch getragen. Mit einem dolchartigen Gerät stach sie ein Stück nach dem anderen und reichte es den herantretenden Frauen und Männern, die es ebenfalls mit einem Speisedolch in Empfang nahmen.

Aber nicht wahllos gab sie die Stücke fort. Sie schaute erst die Bittenden genau an, sagte wohl auch ein paar Worte, während sie das Fleisch austeilte.

„Du hast heute wenig gearbeitet, Du wirst von weniger Speise satt werden“, redete sie ein Mädchen an, das sich mit seinem Anteil hastig hinter den andern verbarg, als schäme es sich.

Einem Manne gab sie zwei Stücke mit den Worten:

„Deine Wachsamkeit rettete uns heute unser Vieh vor dem Gelben. Nimm, was Dir dafür gebührt!“

Sie waren alle zufrieden und begaben sich auf ihre Plätze zurück, nicht ohne vorher aus den Händen der Mädchen Schalen mit Milch empfangen zu haben.

Ein hastiges, lautes Schmausen begann, bei dem kein Wort gesprochen wurde. Bu-anan beteiligte sich nicht daran. Sie nahm nur eine Schale mit Milch und leerte sie langsam und wie in tiefen Gedanken.

Gegen Ende der Mahlzeit begannen die Leute nach ihr zu schauen.

„Bu-anan sinnt, Bu-anan wird uns etwas sagen“, raunten sie einander zu. Augenscheinlich freuten sie sich darauf.

Das Fleisch war restlos verzehrt, niemand konnte mehr bekommen, als er erhalten hatte. Dagegen füllten die Mädchen die Schalen ein zweites und wohl auch ein drittes Mal mit Milch, wenn es begehrt wurde.

Dann war auch dieser Vorrat erschöpft. Die Leute lehnten sich zurück und blickten erwartungsvoll auf Bu-anan.

Plötzlich begann sie leise zu sprechen, so leise, daß es fast wunderbar war, daß die Menschen ihre Worte verstehen konnten. Aber sie waren daran gewöhnt und wußten, daß die Stimme an Stärke gewinnen werde, je länger die Seherin sprach.

„In fernen, fernen Zeiten, die so weit fort sind, daß nur noch rückwärts gewendete Augen sie schauen können, lebte hier der Büffelmann. Stark war er, aber auch wild. Sitten kannte er nicht. Er brauste daher nach seinem Gefallen. Was ihm in den Weg kam, das überrannte er. Sein Atem war heiß wie Rauch des Feuers, er blies ihn durch die Nasenlöcher. Er trug keine Kleidung; denn braunes krauses Fell bedeckte seinen Körper.“

Sie unterbrach sich, wie um das Bild recht lebhaft vor den Seelen der Hörer auftauchen zu lassen. Danach fuhr sie fort, diesmal schon etwas lauter:

„Nun denkt Ihr Euch einen wirklichen Büffel und wundert Euch, daß ich ihn Büffelmann nenne. Es war aber ein Mensch! Er lief auf zwei Beinen, wie Ihr es tut, die anderen beiden streckte er vor sich her. Auch waren ihm die Hörner nicht am Kopf angewachsen, sondern er trug sie an einem Rindenband befestigt, wie Ihr die Federkronen tragt.“

Ein neues Bild entstand vor den Lauschenden, aber es war nicht mehr so klar. Einen Büffel sahen sie oft, ihn konnten sie sich vorstellen. Aber einen Büffel auf zwei Beinen zu denken, schien fast unmöglich.

Bu-anan aber meinte, ihnen nun lange genug Zeit gelassen zu haben. Sie hob das Haupt ein wenig und leise hoben sich auch ihre Hände, die im Gegensatz zu den kurzen, runden Händen der übrigen Frauen lang und schmal geformt waren.

„Der Büffelmann hatte ein Weib. Ich weiß nicht, wie er dazu gekommen. Ra-a hieß sie und war ein richtiges Menschenweib, nur größer als wir heute sind. Sie war noch nicht lange bei ihm, da bemerkte sie, daß das Licht des Tages erloschen war. Dunkel war es rings umher; denn die Sterne der Nacht waren schlafen gegangen. Sie begann zu weinen. Der Büffelmann aber lachte sie aus.

,Laß uns schlafen, Ra-a‘, sagte er, ,einmal wird es auch wieder hell werden.‘

Sie aber hatte Angst, es könne lange dauern, bis das Licht wieder scheinen werde. Und wenn das Dunkel die Herrschaft erhalte über die Welt, dann werde alles Nachtgetier, alles Böse und Ungute sich hervorwagen.

Nun aber wußte sie, daß über der Welt ein Herr lebt, zu dem man in höchster Not gehen kann. Da schickte sie ihre Gedanken auf den Fittichen der weisen Eule in heißem Flehen hinauf.

Ich weiß nicht, ob die Eule ganz hinauf konnte“, unterbrach die Seherin mit kindlicher Stimme ihre bisher feierlich vorgetragene Erzählung. „Ich denke mir, da werden Wesen ihr entgegengekommen sein, die mit leisen, gütigen Händen die Bitten abgenommen und dem Herrn gebracht haben.“

Danach fuhr sie wieder erzählend fort:

„Ra-a aber hatte gebeten, daß der Herr ihr Hilfe senden möge; denn sie wolle die Sonne suchen gehen. Und sie verließ den Büffelmann, der es ihr schwer machte, da er sie nicht missen wollte.

Sie ging über Sand und Stachelkraut, über Schlangen und Kröten; denn sie konnte ja nicht sehen, wohin sie trat. Ihre Füße wurden wund. Ihre Angst war groß, aber sie ließ nicht nach. Immer, wenn sie ermatten wollte, rief sie: ,Herr!‘ und dann kam neue Kraft.

Und dann fand sie die Sonne!

In eine große, steinerne Kiste hatte der Böse sie gesteckt, zusammen mit einem Widder. Die Kiste aber hatte er in ein tiefes Wasser gelegt. Durch einen Spalt in der Steinkiste sah Ra-a die Strahlen der Sonne und sie wurde so froh, daß sie fast gestorben wäre.

Dann rief sie dreimal ,Herr‘; denn sie brauchte dreifache Kraft.

Da konnte sie den Spalt um so viel erweitern, daß der Widder sein Horn hindurchzwängen konnte. Danach brauchte es nicht mehr viel und die Sonne, die hehre, lichte, konnte herausschlüpfen. Der Widder machte sich dann vollends selber frei.

Ra-a führte die Sonne aus dem Wasser und an den Himmelsbogen zurück. An ihrer Hand konnte der Böse dem Himmelslicht nicht schaden, weil in Ra-a die Kraft des Herrn war.

Seitdem ist die Sonne niemals wieder verschwunden. Sie heißt von dem Tage an Ra-na, wie wir alle sie nennen. Vorher rief man sie Ta-te-ki, wie unsere Kinder noch sagen.“

Bu-anan verstummte, die anderen wurden lebendig. Die Erzählung hatte ihnen gefallen. Wie entsetzlich wäre es, wenn heute die Sonne wieder gestohlen würde!

„Bu-anan würde sie uns wieder holen, wie Ra-a es getan“, tröstete eine Frau.

„Was wurde aus dem Widder?“ wollte ein Mann wissen.

„Ach ja, der Widder! Der Widder! Von dem hast Du nichts weiter gesagt!“ drängten sie alle.

Bu-anan blickte auf und ein ganz leises Lächeln huschte um ihre Lippen.

„Der Widder konnte nicht mehr auf die Erde zurückkehren, weil er zuviel von dem Glanz der Sonne getrunken hatte“, sagte sie belehrend. „Er darf am Himmel stehen! Zur Nachtzeit könnt Ihr ihn sehen.“

„Ist es seitdem, daß Widderopfer gebracht werden?“, fragten einige Männer.

Bu-anan bejahte.

„Das ist richtig, nur bringen wir sie nicht mehr Ra-a; denn sie war nur ein Menschenweib. Dem Herrn, Anu, opfern wir den weißen Widder mit dem schwarzen Kopf, seinem Sohn den ganz weißen oder auch ein Lamm, wenn einmal bei der Herde kein ganz weißer Widder ist!“

Weiter schwatzten die erregten Menschen, aber sie standen so stark unter dem Einfluß der weißen Mutter, daß sie sogar jetzt ihre Stimmen dämpften. Sie hatten es einmal erlebt, daß Bu-anan das Feuer verließ, als sie unbeherrscht geschrieen hatten. Ein zweites Mal wollten sie solches nicht verschulden.

Ständig beobachteten sie das Gesicht der Seherin. Sie wollten es nicht versäumen, falls sie abermals zu ihnen reden wollte. Und richtig. Jetzt hob sich das schmale Antlitz nochmals und Bu-anans Stimme erklang:

„Ra-a, die Frau, war es, die das Dunkel überwand. So soll es nach dem Willen des Herrn allezeit sein. Die Frauen und Mädchen haben mehr Helles in sich als die Männer, denen dafür mehr Verstand und mehr Menschenkraft gegeben ist.

Die Frauen sollen ihre Bitten auf die Schwingen der Eule legen und Anus Kraft erflehen, wann immer sie deren bedürfen. Die Frauen sollen dafür sorgen, daß die Sitten des Stammes immer lichter und reiner werden, so daß sie vor Anus Augen bestehen können.

Damit die Frauen das können, müßt Ihr sie halten als Euer Kostbarstes, Ihr Männer! Rührt sie nicht an mit unreinen Händen, betastet sie nicht mit unreinen Gedanken. Strahlen sollen sie sein, die Anu Euch von oben gesendet, Euer Leben zu erhellen! Würdet Ihr wagen, die Sonnenstrahlen zu trüben?“

Sie beteuerten alle, daß es ihnen niemals einfallen würde.

„So wollen wir uns trennen. Der Abend war schön. Laßt uns Anu dafür danken!“

Die Seherin trat in die Mitte des Kreises, wo die Flammen bereits im Verlöschen waren. Wieder streckte sie die Arme gerade vor sich hin. Das weiße Gewand floß an ihnen hernieder, daß sie großen Schwingen glichen.

„Anu, Gott, wir danken Dir! Lege von Deiner Kraft in meine geöffneten Hände, daß ich sie weitergebe. Dein Segen sei über unserer Nacht.“

Als sie geendet, hob sie die Arme und wendete die Handflächen abwärts, als wolle sie die erhaltene Kraft über die geneigten Häupter ihres Stammes ausschütten.

Die beiden Dunkelfarbigen waren eilfertig herbeigeglitten und hatten Feuerbrände aus den Flammen gerissen. Nun beleuchteten sie den Pfad, den Bu-anan zu schreiten hatte, umgeben von ihren vier Frauen.

Niemand sprach ein Wort. Damit hätte man die erhaltene Kraft unwirksam gemacht.

Als die weiße Mutter weit genug entfernt war, rissen auch die anderen brennende Hölzer an sich und eilten ihren Behausungen zu.

Wo das Feuer gelodert, lag nur noch ein Berg Asche. –