Verwehte Zeit erwacht, Band 3

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Description

Details

Dieses Buch beschreibt geschichtlich bedeutende Ereignisse auf der Grundlage geistiger Schauungen. Die Verfasser schrieben auf, was sie erschauten, verstanden sich aber als Vermittler, nicht als Verfasser der Texte im üblichen Sinn. Deshalb ist für dieses Buch kein Autor genannt. Inhalt: Ägypten, Nemare, Pharaonen, Unbekanntes aus dem Leben Jesu, Die Apostel.
Additional Information
ISBN 978-3-87860-015-2
Dimensions 16,50 x 23,50 cm
Format Leinen mit Umschlag
Number of pages 428
Language Deutsch
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1. Ägypten

EINST ZOGEN NEBEL über die Gründe der erwachenden Erde, über die Wasser des großen Stromes, der seine hellgrünen Wogen in das Meer ergießt und heute Nil genannt wird. Die Erde dampfte. Sümpfe breiteten sich aus; durch tiefen Schlamm sickerten kleine Wasserrinnen. Faul wälzte sich das Getier in der warmen Erde.
Zitternd verschwamm die Feuchtigkeit in der Höhe, wo die Nebel sich ballten.
Vögel anderer Art, als die Menschen sie heute kennen. Übergänge von Wasser- zu Landtieren, wühlten im Schlamme nach Nahrung. Deshalb hatten sie hohe Beine und lange, zuweilen gebogene Schnäbel, welche gleich Schwertern die Fische aufspießten. Zahlreich war das kriechende Getier, zu dem auch die Krokodile gehörten. Ihre gezackten Panzerrücken hoben sich aus den seichten Fluten, durch die sie sich mühsam vorwärts schleppten. Einige von ihnen hatten noch Flügelansätze, die sie aber nicht mehr zu gebrauchen verstanden. Unheimlich wirkten ihre starren Augen.
Stille lag über der Welt. Von oben senkten sich belebende Lichtwesen herab und freuten sich an dem Gedeihen der Natur.
Dies war die Zeit, da der Geistkeim eintrat in die höchstentwickelten Tierkörper.

LEUCHTEND STIEG der goldenen Sonne Ball am rosig schimmernden Horizont der weiten, sandigen Ebenen empor, wo der Himmel in sanftem Bogen die Wellen des Wüstenmeeres zu berühren schien. Golden und groß stieg sie empor, die spendende Mutter der Natur, und die Lüfte nahmen den Klang ihrer leuchtenden Funken in sich auf. Ihre scharfen, sengenden Strahlen zogen aus den unzähligen Wasserläufen der Erde Tropfen um Tropfen in die Höhe. Dabei sammelten sich Dünste, die als plötzliche, wilde Regenfluten wieder herabbrausten.
Die Erde trank sich satt, und es wuchsen weiche, saftige Gräser an den Flußläufen, die das Land verschönten. Das Getier der Berge, das abends in Rudeln zum Flusse zog, labte sich gern an den saftigeren Gräsern der Niederung und blieb deshalb mit der Zeit ganz in den grünen Ebenen.
Auch die ersten Menschen lebten wie die Tiere in kleinen Rudeln in den felsigeren Gegenden, wo sie Schutz fanden vor den sengenden Sonnenstrahlen und Zuflucht in höhergelegenen Höhlen, wenn die großen Fluten kamen. Bald lernten sie, sich dem Wechsel der Jahreszeit zu fügen und sich der launischen Kraft des feuchten Elementes anzupassen, das ihnen Liebe und Wohltat, aber auch Verderben und Not bringen konnte.
Wie waren diese Geschöpfe des Höchsten doch so rein. Wie schöne, hochentwickelte Tiere lebten sie froh und arglos im Rhythmus der heiligen Gesetze, schwangen unbewußt in ihnen.
Wie ein Netz kristallklarer Silberfäden fügte sich damals Wesenheit an Wesenheit, Ebene an Ebene. Freudig aus dem Born des Lebens schöpfend, reichten sie die goldenen Eimer von Stufe zu Stufe, von Art zu Art, und jeder trank und gab dankbar weiter, selig im Überfluß der Gnade. Die Natur war den Urmenschen Mutter und Vater, Freund und Bruder. Sie fühlten in ihr die höchste Kraft, der sie sich willig beugten.
Aus Wasser und Geist ward der Mensch – dies Wort stammt noch aus der alten Weisheit Ägyptens. Rein wie des Wassers Wellen war sein Schwingen, und seine geöffnete Klarheit, sein einfältiger Sinn strebte in heißem, freudigem Dank nach oben.
Und es kam die Zeit, da in den Menschen flammende Lichter aufloderten; es wuchs in ihnen die Sehnsucht nach dem Licht, ihr Geist erwachte. Hoch erhobene Gestalten, hoch erhobene Arme streckten sich der Sonne entgegen.

DA REIFTE DER AUGENBLICK im Wirken des göttlichen Willens heran, der den Menschenkindern Hilfe und Führung, Stütze für alle Ewigkeit bringen sollte, damit sie, die dem Göttlichen so weltenfern, dennoch in seinem Lichte schwingen könnten, um sich zu mithelfenden Dienern des Höchsten zu vollenden. Sie sollten reifen zu Herren der Erde, die ihre Geschöpfe lieben und nützen sollten, zu deren und ihrem eigenen Wohle, im Sinne des Lichts.
Alles in der Schöpfung war reif für diesen Augenblick. Die Sphären erbrausten; im Lichte glühte es weiß wie ein sich öffnendes Tor.
Lichtfluten strömten stufenartig von Sphäre zu Sphäre herab.
Aus der Liebe Gottes löste sich seiner höchsten dienenden Kräfte einer, um Licht zu tragen in die Schöpfung.
Brausend schloß sich hinter dem leuchtenden Boten wieder ein Tor, und auf dem vom Herrn bestimmten Pfade sank die Kraft der Erleuchtung herab.
Aus der ersten Sphäre des göttlich-wesenhaften Kreises stammend, besaß die leuchtende Flammensäule die Fähigkeit, Form anzunehmen. Wunderbare Schönheit, makellos und rein, umkleidete den Lichtbringer durch die Kraft göttlichen Willens.
In der Schöpfung stand nun Luzifer, der Träger des göttlichen Lichtes, zur Erleuchtung irdischen Verstandes.
Menschensinn begreift das nicht, was Gotteswille waltend, wissend, weise schafft.
Und die Kraft des Lichtes kündete. Eine Stimme hallte donnernd, dröhnend von Sphäre zu Sphäre:
»Ziehe aus, Leuchte des Wissens, wirke im Sinne der Wahrheit als Träger der Flamme!«
Die Töne hallten von Stufe zu Stufe, von Lichtstrom zu Lichtstrom, von Stern zu Stern. Und es begann damit ein neues, umwälzendes Zeitalter der Entwickelung in der Schöpfung.
Gibt es ein Menschenwort für dieses große Walten? »Heilig« ist das einzige, aber es ist verbogen, in den Staub getreten von den Menschen, wie alles, was Gott ihnen schenkte.
Aus diesem Licht strömte die Flammensäule, erleuchtend, kräftigend, belebend, und sie erweckte das Werkzeug irdischen Empfangens mit der Kraft göttlicher Liebe.
Alles, was aus Gott strömt, kann nur fördern, heben und läutern, wenn es rein aufgenommen und rein weitergegeben wird.

DIE MENSCHEN NAHTEN sich rein und hochstrebend voll Ehrfurcht dem Licht, indem sie ihre Körper aufrichteten und ihre Hände ausstreckten, um die feinen geistigen Ströme zu empfangen. Die neue Entwicklung sollte in ihnen das Bewußtsein erwecken für die Verantwortung des Menschen als Empfänger geistigen Samens. Weise sollten sie werden und die Gaben des Himmels im Irdischen pflegen, nützen und fördern, nicht mehr wie bisher nur unbewußt schwingen im Gleichmaß göttlicher Gesetze.
Und so trug Luzifer flammend seine Leuchte hinab in die Schöpfung, deren lebendiges Licht sich nach dem Gesetze weiterpflanzte von Schöpfungsebene zu Schöpfungsebene. Er war ihnen als Führer, Erleuchter und Helfer gesandt, der aufbauend wirken sollte, schöpfend aus der Kraft Gottvaters.
Viel ist von ihm erzählt worden, aber immer nur von dem Abtrünnigen, dem Verneiner, dem Gefallenen, nie von dem lichtdurchfluteten Geiste, der er war, als er aus dem göttlich-wesenhaften Teile ausschied, um der Schöpfung als ihr Förderer zu dienen.
Nur Reinstes vermag aus diesen Höhen herabzufließen. So wirkte Luzifer erhellend gleich einem großen Licht, und sein Glanz und die Fülle seiner Kraft verdunkelten die Sonne und ließen alles matt und klein erscheinen, was bisher war. Ein gewaltiger neuer Pulsschlag, erfüllt von einem heiligen Feuer, das die Geister aller Sphären neu belebte, schwang durch die Schöpfung.
Bis in die Tiefen der Stofflichkeit, die in herrlichem Aufbau des Lebens begriffen war, pulste der Lebensstrom des Lichtbringers, der alle Wesen, besonders aber den Menschen, erweckte und stärkte.
Auch äußerlich wandelte sich nun der Mensch. Seine aufrechte Haltung und die Form seines Schädels unterschied ihn deutlich vom Tiere. Schöner wurde er von Tag zu Tag, immer ähnlicher dem Urbilde, das des Höchsten Liebe sich selbst zum Ebenbilde geschaffen hatte.
Heiliges Wirken erfüllte die Welt. Fürwahr, heilig war diese Zeit!
Unter der Macht der Sonne, die umgeben war von einer Anzahl aus ihr geborener strahlender Himmelskörper, brach eine Zeit des Wachstums, der Fruchtbarkeit, Schönheit und Fülle an, wie sie die Erde noch nie gesehen hatte. Es war ein paradiesisches Leben.
Der Menschengeist wuchs empor zu einer lodernden Flamme, die dankbar immer höher schlug im erwachenden, jubelnden Erkennen. Es schärfte sich auch der Verstand. Die Fülle der Aufgaben bot Gelegenheit, ihn dauernd zu üben, zu bewegen und zu nützen.
Die Menschen lernten einteilen und gebrauchen, was ihnen die Natur gab. Im guten Sinne machten sie sich alles nutzbar, und aus ihrer stetigen Bewegung wuchsen Erfolg und Reichtum.
Sie wählten die weisesten Ältesten zu ihren Führern, die, welche die Gesetze des Lebens erkannten und zu nützen wußten. So entstanden langsam kleine Gemeinschaften.
Noch immer waren die Menschen Berg- und Höhlenbewohner. Als sie aber sahen, wie sich die Flußtäler üppig entfalteten, wie sich die endlosen Sandwüsten mit Grün und Pflanzen aller Art bedeckten, bis weit an die großen Wasser der Ferne, da zogen sie den milderen Gegenden zu und lagerten sich an dem mächtigen Strome, der das grüne, fruchtbare Land durchzog.
Nun dauerte es nicht mehr lange, bis einer ihrer weisen Führer, den sie vom Lichtbringer erleuchtet nannten, sie lehrte, wie man das Wasser des großen Stromes dienstbar machte. Sie bauten sich Schwimmbrücken aus Bäumen und paßten sie der Form an, die das Wasser ihnen gebieterisch aufzwang. Mit geöffnetem Sinn arbeiteten sie unter der Führung und nach dem Willen des Erleuchters, und alles reifte zu frohem Erfolg. Sie dankten dem Lichtbringer, beugten sich vor ihm und beteten ihn an im Lichte der Sonne.
Mit Klugheit und Geschick schufen sie Bauten, die die Wasser dämmten. Sie machten sich die Kräfte des Wassers und der Sonne zunutze und entwickelten sich so zu immer größerem Können. Voll Dank suchten sie dem Licht damit zu dienen. Zu seiner Ehre errichteten sie herrliche Hallen, die sie jubelnd mit dem Golde und dem glitzernden Gestein schmückten, das sie bei ihren Arbeiten in den sandigen Vorhügelketten tief in der Erde fanden. Ihre wunderbaren, schlanken Säulen aus Holz wurden mit Blattwerk verziert.
So erfreute sich das Land der Sonne einer hochstrebenden, gesegneten Zeit. Wie die Pflanzen aufblühten und gediehen, so erging es allem Geschaffenen. Auch die Eingriffe, die der Mensch regelmäßig in der Natur vornahm, und die mit dem Wirken der Gestirne eng verbunden waren, gereichten nur zum Nutzen. Durch das Wachsen des lichtgesegneten Verstandes wurde es den Menschen geschenkt, Hitze wie Überfülle des feuchten Elementes ihrem Willen zu beugen.
Um ihre täglichen Bedürfnisse zu befriedigen, brauchten die Menschen sich nicht zu mühen. Sie hatten nur Arbeit mit dem Verteilen der Fülle, die ihnen von der Güte des Lichtes gespendet wurde. Solange sie sich in weisem Walten, das nichts vergeudete und nichts verderben ließ, bewegten, solange sie alles Lebendige in Liebe pflegten und nützten, ohne es auszunützen, lag Fülle, Segen und Freude auf all ihrem Tun.
Reich und schön, ausgestattet mit Wissen und Macht, mit Kraft und Gewandtheit waren die riesenhaften Söhne des Nillandes, die von einem Stamme jenseits des Roten Meeres gekommen waren. Die Kraft der Sonne färbte ihre Haut dunkler, daß sie glänzte wie Ebenholz. Weiß waren ihre Zähne, weich und lang flutete das blauschwarze Haar um ihre Häupter.
Immer herrlichere Früchte entstanden aus ihrem Tun; mit immer größerer Klugheit wurden sie begabt. Helfer traten ihnen zur Seite, die sie auf die Schätze der Erde hinwiesen und ihnen verständlich machten, daß sie eingesetzt seien, sie zu verwalten. Sie zeigten ihnen auch, wie sie den Klang der singenden Strahlen aufnehmen und wiedergeben konnten und lehrten sie Instrumente bauen, auf denen sie die Töne annähernd wiederfanden.
Aus der Erde mischten die Menschen wundervolle Farben. Kräuter und andere Pflanzen nützten sie zur Stärkung ihrer Glieder und zum Heilen von Wunden.
Kräftigend und zugleich reinigend war die Art ihrer Ernährung, die vorwiegend aus saftigen Früchten, zartem Fleisch und Fisch bestand. Die Milch der Kühe war ihr hauptsächliches Getränk; doch verstanden es die Frauen bald, die köstlichen Früchte zu Säften und Weinen zu bereiten.
Mit der Zeit entwickelte sich unter den verstreuten Siedlern am Ufer des großen Stromes ein reger Austausch der Erzeugnisse ihres Fleißes. Sie benutzten die Wasserläufe zur Beförderung ihrer Waren. Dadurch vermischten sich die einzelnen Stammesgruppen. Einer lernte vom anderen, einer freute sich am Fortschritt des anderen und nutzte dessen Erfahrung.
So waren sie brauchbare Glieder in der Kette der dienenden Kräfte dieser Schöpfung. Etwas anderes sollten sie auch nicht sein. Arglos und rein war ihr Wille geblieben. Wie dankerfüllte, frohe Kinder dienten sie dem Schöpfer und halfen sich gegenseitig.

WER VERMÖCHTE sich jetzt noch ein Bild zu machen, wie im Laufe von Jahrhunderten Macht und Reichtum, Schönheit und Weisheit erblühten. Alles ist dahingegangen, alles wurde zu Staub. Die reißenden Fluten spülten neue Schichten über das irdische Paradies der Menschheit.
Was aber war die treibende Kraft, die vernichtete, was Gottes Güte so reich gespendet hatte? Grauen ging über die Welt. Klagend hallte das große Wehe durch die Sphären.
Luzifers Kraft, die der Herr ihm gespendet, das Licht des Lebens, das er ausströmte, schwang in unbeschreiblich machtvoller Größe durch die Stofflichkeit. Die Leuchte des Verstandes sollte er den Menschen bringen, die ihm das Wort des Herrn in die Hand gab, als er ausgesandt wurde. Von oben sah er voll Freude das Gelingen seines Wirkens an dem Wachstum der Menschheit, aber – es war nicht mehr die beseligend schwingende Harmonie mit dem Lichte Gottes!
Groß erstrahlte die vertrauende Liebe des Herrn, da Luzifer als einziger Engel Gottes ausgesandt wurde. Eins war er mit dem Licht des Urquells; nichts Eigenes wußte er zu sein! Durch sein Wirken in der Stofflichkeit sollte und brauchte sich das nicht zu ändern.
Aber aus dem Erfolg, der ihm erblühte, wuchs das Empfinden eigenen Könnens empor. Da löste sich die feine, unmerkbar aber um so wirksamer arbeitende Verbindung mit dem Gotteswillen. Die Kraft, die Luzifer auf Grund seiner göttlich-wesenhaften Art besaß, wurde eigenwillig und schwang nicht mehr in den Gesetzen.
Das göttlich-wesenhafte Schwingen um ihn verlangsamte sich, seine Ausstrahlung wurde matter, und die feine Hülle, die seines Wesens Kern umgab, wurde schwerer – Luzifer sank!
Die Kraft seines Eigenwollens verdichtete sich, und mit der Abwendung vom Licht zog es ihn abwärts statt aufwärts. Er befand sich nun im Gegensatz zum Lichtgesetz, aber er erkannte es nicht, denn seine Kraft war unermeßlich groß, und gerade im Gegensatz machte sie sich ihm strahlend erkennbar.
Nun setzte er alle Kraft seines Wollens ein, um den Menschen in die Sphären des Lichtes zu erheben, aber mit eitlem Besserwissen.
»Seine Fähigkeiten sind durch mich geweckt, ich habe ihn befruchtet; ich habe ihn erst zum Menschen gemacht! Mein Werk, mein Wille, mein Recht!« – So dachte Luzifer.

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