Gottvertrauen wiederfinden

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Beschreibung

Details

Gottvertrauen … was hat dieser Begriff uns Menschen des 21. Jahrhunderts noch zu sagen? Die Autoren dieses Buches meinen: „Unermeßlich viel!“ Zahlreiche Menschen verharren heute immer noch in alten konfessionellen Traditionen und können darin doch keinen lebendigen Bezug zum Schöpfer finden. Andererseits breitet sich der Atheismus immer weiter aus, und die Meinung, unser Leben sei nur ein Spiel des Zufalls, hinterlässt eine seelische Leere. Neue, weiterführende Gedanken zum Thema „Gott“ scheinen also dringend nötig. Dieses Buch bietet sie.

Zusatzinformation
Autor diverse
ISBN 978-3-87860-322-1
Abmessungen 14.50 x 21.00 cm
Ausführung Hardcover
Umfang 80
Sprache Deutsch
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Das Erahnen des Schöpfers

Von Werner Huemer, Graz

Gott … Gehört der Glaube an den Schöpfer, an eine weise über allem waltende Gottheit untrennbar zum Menschsein? Ist die Sehnsucht nach einer überirdischen Wirklichkeit, dem geistigen Licht, etwas ganz Natürliches, das unserem Wesen ebenso arteigen ist wie etwa das Streben nach Sinn, Liebe, Kultur? Oder ist all das, was man heute der Schublade „Religion“ zuordnet, doch nur eine Sache der Erziehung, mit der es jede Gesellschaft ein wenig anders hält – eine traditionsverpflichtete Vorstellung eben, die aber für unser Leben nicht wirklich von Belang ist?

Wahrscheinlich wurden solche Fragen in früheren Generationen seltener als heute gestellt. Der Glaube an eine oder mehrere Gottheiten prägte alle bedeutenden Hochkulturen, religiöses Gedankengut gehörte immer unmittelbar zum Menschsein. Es war stets eine Quelle der Hoffnung, der Kraft und Zuversicht – ebenso aber auch der Ausgangspunkt fürchterlichen Leides, fanatischer Menschenverachtung und tiefgreifender Selbsttäuschung.

Erst dem 20. Jahrhundert war es vorbehalten, in der Geistesgeschichte des Homo sapiens sapiens eine Epoche des Atheismus einzuleiten. „Die Menschen haben Gott vergessen“ – das bezeichnete Alexander Solschenizyn vor etwa 20 Jahren als das wesentlichste Charakteristikum unserer gesellschaftlichen Entwicklung in jüngerer Zeit. Wir glauben, unser Auskommen ganz gut auch ohne einen Schöpfer zu finden. Wissenschaft und Forschung – unsere eigenen Bemühungen also – scheinen für die Erklärung der Welt und zur Bewältigung des Lebens zu genügen. Eine höhere Macht will der moderne Mensch nicht mehr brauchen.

Wie also verhält es sich mit religiös-spirituellen Gedanken und Empfindungen? Gehören sie naturgemäß zum Menschsein – oder haben wir uns vom Schöpferglauben glücklich emanzipiert, nachdem die weltfremden Dogmen engstirniger Kirchendiener ihren überragenden Stellenwert in einer mündigen Gesellschaft endlich verloren haben?

Wenn ich mich an meine eigene Kindheit erinnere, so gehörte – wohl schon im Volksschulalter – eine Hinwendung zum Schöpfer stets zum Selbstverständlichsten in meinem Leben. Im täglichen Gebet trug ich meine kleinen Sorgen vor ihn, bat um die Erfüllung so mancher Hoffnungen und Wünsche und haderte auch mit meiner eigenen Unzulänglichkeit, wenn ich glaubte, etwas Falsches getan zu haben, das womöglich nicht im Sinne Gottes gewesen war.

Natürlich erscheint mir meine religiöse Vorstellungswelt von damals heute in mancher Hinsicht allzu kindlich-naiv; aber wichtig waren wohl auch gar nicht die konkreten Gedankensätze, die ich im Gebet formulierte, sondern meine Empfindungen gegenüber dem Schöpfer. Gott war fest verknüpft mit meinem eigenen Gewissen. Ihm verband ich mein tiefstes Inneres, ihm offenbarte ich, was sonst kein Mensch hätte erfahren dürfen. In der Hinwendung an ihn empfand ich – wenn auch nur halb bewußt – Geborgenheit, eine Art Grundvertrauen in das Leben, in den Sinn des Daseins.

Diese Beziehung zum Schöpfer war meine ureigene, ganz persönliche Angelegenheit. Sie war – so sehr das Psychologen vielleicht in Frage stellen mögen – nicht erzieherisch vorgeprägt. In meinem Elternhaus kamen konfessionelle Dinge nie zur Sprache, in der Schule interessierte mich der Unterrichtsgegenstand Religion nur am Rande, und schon gar nicht hegte ich den Wunsch, im Schoß der Kirche zu landen. Mit bestimmten Glaubenstraditionen hatte meine persönliche Überzeugung im Grunde nichts zu tun.

Aber natürlich gerieten meine Empfindungen in den Bannkreis der üblichen Kulte und Symbole. Das christliche Leidenskreuz war beispielsweise ein wichtiger äußerer Bezugspunkt für meine Hinwendung zum Schöpfer, und auch die Beichte, zu der wir Schüler gelegentlich vorgeführt wurden, hatte zur Volksschulzeit einen gewissen Stellenwert für mein Seelenleben. Es war mir – wie wohl auch allen meinen Mitschülern – zwar äußerst unangenehm, gegenüber einem fremden, geheimnisvoll im Halbdunkel horchenden Mann meine vermeintlichen Sünden zu bekennen, letztlich aber war mir die Beichte doch eher eine Art Gebet, ein Öffnen nach oben, dem Vorsatz verbunden, manches im Leben zu verbessern. Das versteckte Beichtstuhl-Gegenüber und die mir von ihm auferlegten Bußverse blieben Nebensache.

Meine persönliche Erfahrung ist also: Unter jener Oberfläche, auf der man das Thema „Glauben“ gedanklich meist mit traditionell-konfessionellen Bildern verknüpft, gibt es noch etwas anderes, Lebendiges, Entscheidendes: Wir Menschen tragen tief in unseren Herzen das Empfindungswissen um die Existenz von etwas Höherem, Unfaßbaren, Allmächtigen. Unser Urvertrauen in das Leben, der grundlegende Halt unserer Seele, verbindet sich der Ahnung, daß unser Sein gewollt, geführt und gestützt wird durch eine bewußte Kraft, die hoch erhaben über allem wirkt – wie auch immer wir sie nennen mögen.

Diese natürliche Religiosität, die stille Überzeugung vom Sein der Gottheit, kann zwar durch verkopft-materialistische Weltanschauungen vorübergehend ins Unbewußte verdrängt werden, doch sie gehört untrennbar zu unserem Menschsein. Und spätestens dann, wenn wir dem profanen Alltag fern und dem Leben nah sind – etwa beim Abscheiden eines geliebten Angehörigen –, besinnen wir uns erschüttert darauf, wie wichtig jener seelische Halt wäre, der in einem lebendigen Glauben liegt, im Wissen um das Sein und Wirken des Lichtes über uns.

Ich bin auch davon überzeugt, daß uns Menschen die tiefe Sehnsucht eingewurzelt ist, Den zu erkennen, der uns das Leben geschenkt hat. „Glaube“ im religiös-spirituellen Sinn ist für mich daher nicht nur ein Etwas-für-wahr-Halten, ein unzulänglicher Ersatz für das Wissen oder das dumpfe Hinnehmen von Unbeweisbarem, sondern es verbindet sich damit ein persönlicher, aktiver Erkenntnis- und Erfahrungsweg. „Glaube“ ist denn auch keine Angelegenheit „nur für Kinder“ oder für intellektuell zurückgebliebene Erwachsene, sondern spricht die tiefste Dimension des Menschseins an, den lebendigen Geist. Es geht uns im Leben etwas Entscheidendes, Demut Gebietendes, aber auch Urvertrauen und Zuversicht Spendendes verloren, wenn wir diese natürliche Religiosität in uns verdrängen oder verleugnen wollen.

Leider aber werden heute zumeist weder die Erzieher noch die traditionellen Kirchen dieser großen menschlichen Sehnsucht nach Gotterkenntnis gerecht. Es mangelt am nötigen Wissen, um die richtigen Wege weisen zu können. Und so findet der geistige Aufschwung, wie er sich üblicherweise im pubertären Alter zu zeigen beginnt, keinerlei wohlwollende Unterstützung oder Führung. Wenn die großen Sinnfragen an die Seele rühren und der junge Mensch das Bedürfnis entwickelt, hohen Zielen und Idealen nachzustreben, so bleibt er dabei meist auf sich allein gestellt.

Auch in meinen Jugendjahren kam eine Zeit, in der ich mich – mehr innerlich als äußerlich – als „Aussteiger“ betätigte und mich von allen überlebten Glaubenstraditionen, die mir ohnehin nie viel gesagt hatten, bewußt distanzierte. Ich könnte nicht mehr schildern, was letztlich den entscheidenden Ausschlag gab, jedenfalls aber begann ich mich für Lebenswege zu begeistern, die Entwicklungsmöglichkeiten versprachen – körperlich und seelisch: gesunde Ernährung, Bewußtseinsübungen, Meditationstechniken usw.

Dabei kam ich mit allerlei esoterischem Gedankengut, vor allem östlicher Prägung, in Berührung: Da waren Lehren über Karma und Wiederverkörperung, die stufenweise Entwicklung menschlicher Urteilsfähigkeit und geistigen Bewußtseins oder über kosmische Gesetze, denen wir unterworfen sind.

Vieles saugte ich in jenen Tagen wie ein Schwamm in mich auf – las Bücher, hörte Vorträge oder besuchte Seminare. Und bald sonnte ich mich in der Ansicht, die für das Leben wichtigsten Zusammenhänge voll und ganz erfaßt zu haben – wobei ich mein „umfassendes Wissen“ dann auch noch möglichst vielen anderen überstülpen wollte. Eigendünkel nennt man das unbeschönigt mit einem heute fast vergessenen Begriff, und der verträgt sich leider gut mit dem unseligen Drang zu missionieren – läßt sich doch die eigene Unsicherheit bekanntlich recht gut verdrängen, wenn man möglichst viele Gleichdenkende an seiner Seite weiß …

Wie ich heute zugeben muß, verwehrte mir meine Scheuklappen-Sicht der Dinge nicht nur die richtige Selbsteinschätzung, sondern ich sah – ohne daß ich mir das eingestanden hätte – auch über viele Graubereiche hinweg, wie sie symptomatisch für jedes Halbwissen sind. Weder hatte ich ein deutliches Bild über das menschliche Innenleben gewonnen, noch war mir auch nur ansatzweise klar, welchen Stellenwert Gott in meiner esoterisch gefärbten Welt- und Selbstsicht innehatte. Die höchste eigene Bewußtseinsstufe … wäre das die göttliche? Wenn das „kleine Ego“ mit seinen Wünschen und Begierden einst überwunden ist und eine umfassende Liebe Platz greift, wenn die „Erleuchtung“ erreicht und das kleine Alltagsbewußtsein abgestreift sein wird – ist damit dann der eigene „göttliche Kern“ gefunden? So mußte es wohl irgendwie sein …