Im Netz der Triebe und Gefühle

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Welche Folgen hat die Übersexualisierung unserer Gesellschaft? Sollten Begriffe wie Keuschheit und Schamgefühl neu überdacht werden? Erfüllt Sexualität wirklich nur den Zeugungszweck, wie dies manche Konfessionen lehren? Dieses Buch widmet sich dem Themenkreis Sexualität in lebensnaher Form aus ganzheitlicher Sicht, ohne sich in die üblichen Kategorien von „konservativ“ oder „fortschrittlich“ einzureihen.

Zusatzinformation
Autor diverse
ISBN 978-3-87860-323-8
Abmessungen 14.50 x 21.00 cm
Ausführung Hardcover
Umfang 80
Sprache Deutsch
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Im Netz der Triebe und Gefühle

Von Werner Huemer, Graz

Der junge Mann im Wiener „Swinger Club“ ist sich seiner Sache sicher: Hier, wo man sich im Kreise Gleichgesinnter hüllen-, schranken- und bedenkenlos ausleben kann, wurzelt der sexuelle Fortschritt. Er selbst, plaudert der Befragte in die ORF-Fernsehkamera, habe „schon eine entsprechende Bewußtseinsstufe erreicht“. Seine Freundin brauche da vielleicht noch ein wenig Zeit – bis auch sie alle inneren Hemmungen endgültig überwunden und es als Selbstverständlichkeit begriffen haben wird, daß ideenreiche „Spielvarianten“ oder fallweise ein Partnerwechsel dem Sexualleben erst den richtigen „Kick“ geben …

Ein kleiner Fernseh-Blick durchs Schlüsselloch, eine Momentaufnahme aus einer Gesellschaft, in der seit Mitte des 20. Jahrhunderts unter dem Titel der „sexuellen Revolution“ gezielt Tabus gebrochen sowie sittliche Traditionen über Bord geworfen werden und das Prinzip des Auslebens – ein Großversuch freilich, dessen Folgen noch nicht absehbar sind – als Königsweg empfohlen wird …

Natürlich ist nicht jeder schon „so weit“ wie jener junge Mann, der munter in aller Öffentlichkeit über seine Neigungen plauderte. Die meisten Menschen pflegen noch einen gewissen Intimbereich, und der Geschlechtstrieb vibriert um so stärker, je anonymer das Umfeld ist, in dem er sich austoben kann. Aber längst geht es nicht mehr nur um einzelne, für die der Begriff Scham zum Fremdwort geworden ist: Sogenannte Erotik-Talkshows gehören zu den regelmäßigen Erfolgsprogrammen vieler TV-Sender und erzielen höchste Einschaltquoten, „Erotik- und Lifestyle-Messen“ finden ob des großen Zustroms immer häufiger statt, und der einschlägige Fachhandel verdient sich durch Selbstbedienungsgeschäfte und vor allem im Postversand „goldene Nasen“.

Auch in der Werbung arbeitet man gezielt mit der Erkenntnis, daß „Sex“ aktivierend wirkt. Untersuchungen haben gezeigt, daß diese drei Buchstaben gar nicht mehr gelesen werden, sondern bereits als Bild ins Bewußtsein des Menschen eindringen und ihn wunschgemäß stimulieren. Entsprechende fotografische Darstellungen tun dazu ihr übriges. Und nicht nur Werbebotschaften, auch fast alle Zeitungen, Zeitschriften und Filme bedienen sich heute des Reiz-Themas Sexualität.

Immer öfter wird im Hinblick auf diese Entwicklung von einer „Übersexualisierung der Gesellschaft“ gesprochen – und ein Ende ist nicht absehbar: Der heutige Zeit-Ungeist drängt stetig nach neuen „Gefühls-Kicks“, idealisiert die Zurschaustellung des menschlichen Körpers und propagiert das Ausleben alles Triebhaften als Weg zur inneren Freiheit.

Gleichzeitig aber beginnen dort und da doch auch Alarmglocken zu läuten. Denn die wie von unsichtbarer Hand gesteuerte Suche des triebabhängigen Menschen nach der „endgültigen sexuellen Erfahrung“ treibt immer häßlichere Blüten, ist gekennzeichnet durch zunehmende Zwanghaftigkeit, Gewalttätigkeit und rücksichtsloses Suchtverhalten. Das Natürliche, Ursprüngliche, Tiefe einer unbelasteten Sexualität liegt ferner als je zuvor. Warum ist das so? Haben wir bei unserer „sexuellen Befreiung“ etwas Wesentliches übersehen? Was läuft schief?

Geschlechtstrieb und Sexualkraft

Schalten wir nochmals zurück zum „Swinger Club“, wo man „ein wenig Spaß miteinander haben“, die Sexualität auskosten und den Trieb im Überschwang der Gefühle ausleben will. Hat jemand gegen derlei Ansinnen etwas einzuwenden? Will der Geschlechtstrieb nicht befriedigt werden wie alle anderen körperlichen Triebe auch? Und ist es nicht ganz natürlich, ein Ausdruck menschlicher Kreativität gewissermaßen, wenn man verschiedenste „Spielarten“ des geschlechtlichen Verkehrs kultiviert? Setzen wir uns im Bereich der Sexualität nicht völlig zu Unrecht Anstandsgrenzen, während das Ausleben dieses Triebs doch so natürlich ist wie essen und trinken?

Die Beantwortung solcher Fragen hängt ganz entscheidend von unserem Weltbild ab. Ohne den Sinn und die Aufgaben zu kennen, die mit unserem Menschsein verbunden sind, ist eine gültige Bewertung gesellschaftlicher Bestrebungen grundsätzlich nicht möglich, und alle ethisch-moralischen Diskussionen drehen sich im Kreis. Wo das Ziel nicht in Sicht ist, läßt sich endlos über Möglichkeiten, Richtungen und Wege streiten. Wir werden daher auch unsere Betrachtungen über den Geschlechtstrieb nicht losgelöst von den übergeordneten geistigen Aspekten anstellen können. –

Was unseren Körper anbelangt, so gibt es natürlich eine Gleichart, die den Geschlechtstrieb mit anderen sogenannten Reizauslösern verbindet. Hier wie dort steht eine Forderung der Natur im Raum, die zum Leben in der physischen Welt gehört und erfüllt werden will. Zwar dient der geschlechtliche Verkehr nicht, wie Speise und Trank, unmittelbar dem persönlichen Überleben, immerhin aber der Erhaltung unserer Art.

Über diesen Unterschied dürfen wir allerdings nicht achtlos hinwegsehen. Er ist wesentlich, denn er berührt auch unsere Möglichkeiten, mit dem Geschlechtstrieb umzugehen. Während nämlich alle primären, körpererhaltenden Triebe direkt als Gefühle und Gedanken in unser Bewußtsein und nach Befriedigung drängen, ist die Lage beim Geschlechtstrieb anders. Hier lösen erst unsere Gedanken die diesbezüglichen Gefühlswallungen aus.

Konkret bedeutet das: Jeder reife Körper entwickelt ein durchaus gesundes Verlangen nach geschlechtlicher Betätigung, einen ausgeprägten Trieb, der allerdings immer erst durch entsprechende Gedanken „angeschlagen“ wird, also durch unser Wollen zur Auswirkung kommt. Dabei stellt sich dann leicht der bekannte Aufschaukelungseffekt ein: Die Gedanken wirken auf die Nerven, erzeugen intensive Gefühle, diese regen rückwirkend zu erhöhter Gedankentätigkeit an – Phantasien blühen auf, steigern ihrerseits wiederum das Verlangen usw.

Jedenfalls sind wir dem Geschlechtstrieb unseres Körpers keineswegs von vornherein macht- und verantwortungslos ausgeliefert, sondern haben die Möglichkeit, kontrollierend und richtungweisend auf ihn einzuwirken.

Und noch ein Weiteres unterscheidet den Geschlechtstrieb von den anderen körperlichen Trieben: Es ist ein ganz besonderer „Stoff“, durch den er seine Befriedigung findet – angesprochen ist die sogenannte Sexualkraft.

An diesem Punkt müssen wir unsere Betrachtungen allerdings über das Körperliche hinaus erweitern und uns vor Augen führen, daß der Mensch als solcher nicht gleichzusetzen ist mit seinem Körper. Unser eigentlicher, bewußter Wesenskern ist Geist und als solcher immaterieller Natur. Damit der Geist mit dem physischen Körper richtig Kontakt nehmen kann, bedarf es einer Brücke, die die unterschiedlichen „Ufer“ der geistigen und der physischen Welt miteinander verbindet. Man könnte vielleicht auch von „Katalysatoren“ sprechen, die nötig sind, um eine „Kontaktwirkung“ zu ermöglichen, oder von „Strahlungsbrücken“, wie Abd-ru-shin in seiner Gralsbotschaft „Im Lichte der Wahrheit“.

Deren Erklärungen zufolge bildet die Sexualkraft im Erdenleben die wichtigste Strahlungsbrücke, die es unserem Geist ermöglicht, sich bewußt und richtungweisend im physischen Körper zu betätigen. Sie schmiedet uns zur unteilbaren Einheit von Geist, Seele und Körper und stellt uns mit allen „Fasern“ unserer Persönlichkeit hinein in das pulsierende Leben dieser Welt.

Voll und ganz in dieser umfassenden „Lebenskraft“ zu stehen und aus ihr heraus zu wirken – ein Zustand, der einhergeht mit freier Entschlußmöglichkeit, aber auch mit uneingeschränkter Selbstverantwortung –, das ist es demnach auch, was einen erwachsenen Menschen vom unmündigen Kind unterscheidet. Und langsam Kontakt zu finden zu dieser gewaltigen Kraft – darin liegt das Wesen der Pubertät, die jeder Mensch durchläuft, sobald sein Körper dazu reif und fähig ist, diese Strahlungsbrücke zu bilden.

Der Gralsbotschaft „Im Lichte der Wahrheit“ von Abd-ru-shin zufolge ist die Sexualkraft

„die feinste und edelste Blüte aller Grobstofflichkeit, das Höchste, was die grobstoffliche Schöpfung bieten kann. In ihrer Feinheit bildet sie den Gipfel alles Grobstofflichen, also Irdischen … Die Sexualkraft ist das pulsierende Leben der Stofflichkeit …
Im Kindeskörper nun fehlt dem darein inkarnierten Geiste eine Strahlungsbrücke, die erst zur Zeit der körperlichen Reife sich mit der Sexualkraft bilden kann. Dem Geiste fehlt diese Brücke zur vollwirkenden und wirklich handelnden Tätigkeit in der Schöpfung, die nur durch die lückenlose Strahlungsmöglichkeit durch alle Arten der Schöpfung bewirkt werden kann. Denn nur in Strahlungen liegt das Leben, und nur aus ihnen und durch sie kommt Bewegung.“ (Vortrag „Die Sexualkraft in ihrer Bedeutung zum geistigen Aufstiege“)

Aber: Die Sexualkraft im Sinne der Gralsbotschaft ist nicht gleichzusetzen mit dem Geschlechtstrieb! Dieser erwacht zwar ebenfalls mit der Reife des Körpers, aber er ist nichts weiter als ein Trieb, eine biologische Notwendigkeit (nicht nur) zur Arterhaltung, während die Sexualkraft umfassend wirkt und vor allem seelisch-geistigen Erfordernissen dient:

„Ein Mensch auf Erden, der geistig hoch und edel wäre und der deshalb mit hoher, geistiger Liebe zu seinen Mitmenschen käme, würde diesen fremd bleiben, innerlich nicht nahekommen können, sobald seine Sexualkraft ausgeschaltet wäre. Es würde dadurch zum Verstehen und seelischen Nachempfinden eine Brücke fehlen, demnach eine Kluft sein.“ (Vortrag „Der Mensch und sein freier Wille“)

Der Begriff Sexualkraft beschreibt also in dieser Bedeutung zwar eine innige Verbindungsmöglichkeit zwischen Menschengeistern in der physischen Welt, jedoch in ganzheitlicher Art; er hat nur bedingt mit dem Geschlechtstrieb zu tun. Dieser erwacht im Körper ebenfalls während der Pubertät, und er findet dann auch seine Befriedigung in einer Konzentration des intensiven Erlebens, das die Sexualkraft ermöglicht.

Allerdings erlischt der Geschlechtstrieb normalerweise im höheren Alter, während die Sexualkraft dem Menschen bis zum Lebensende ihre Dienste leistet. Selbst ein Greis kann bekanntlich noch agil und aktiv sein, „voll im Leben stehen“, während geschlechtliche Bedürfnisse für ihn längst keine Rolle mehr spielen.

Die Trennung zwischen den beiden Begriffen Sexualkraft und Geschlechtstrieb schien mir zur Klärung wichtiger Vorgänge in unserem Inneren notwendig. Sie wurde hier jedoch nicht herausgearbeitet, um eine Unterscheidung im Sinne von „guter“ Sexualkraft und „üblem“ Geschlechtstrieb zu treffen. Das wäre Unsinn, denn beides hat seine Berechtigung und gehört ursächlich zum Leben in der physischen Welt.

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