Ephesus – Leben und Wirken des Wegbereiters Hjalfdar in vorgeschichtlicher Zeit (E-Book)

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Beschreibung

Details

Leben und Wirken des Wegbereiters Hjalfdar in vorgeschichtlicher Zeit. Dieser Band der „Wegbereiter-Reihe“ greift am weitesten zurück in die Geschichte des Planeten Erde im kosmischen Weltenteil „Ephesus“: Beschrieben wird eine Epoche, die weit vor den eiszeitlichen Umwälzungen zu denken ist. In dieser frühen menschheitlichen Entwicklungszeit wirkt Hjalfdar als Wegbereiter der Wahrheit, und mit ihm Holda – vorbildhaft für die Frauen. Die Menschen dieser Erdepoche waren noch vertraut mit den mächtigen Führern der Elemente oder im kleineren mit den helfenden und verbindenden Wesenheiten in der Natur. Im förderlichen Einklang mit ihnen bewältigen die Menschen die Fährnisse dieser Zeit und gewinnen im Erleben einen reichen Erfahrungsschatz. Von Holda unterstützt, bringt Hjalfdar viele Menschengruppen auf dem Wege ihrer geistigen Entwicklung zur Erkenntnis der höchsten Gottheit als Ursprung allen Seins. Es entfaltet sich eine frühe Kultur – ein „goldenes Zeitalter“, in dem Natur und Geist, Himmel und Erde durch den Menschen und sein Wirken segensreich miteinander verbunden sind.
Zusatzinformation
ISBN 978-3-87860-511-9
Ausführung .epub, .mobi (ohne Kopierschutz/DRM)
Sprache Deutsch
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HOCH aufgerichtet stand eine leuchtende Gestalt auf einem Hügel nahe den raunenden Wäldern. War es ein Wesenhafter oder ein Mensch, der da wachsamen Auges in die Weite spähte?
Leise rieselte ein kleiner, frischsprudelnder Quell zu seinen Füßen, die mit weichem, kaum behaartem Leder umwickelt waren. Lichtweiß erschien die fast unbekleidete Gestalt, die nur über Schulter und Lenden ein helles zottiges Fell geschlungen trug. Die Arme waren sehnig und kraftvoll, doch ebenso weiß wie der Hals, der sich von dem zottigen Fell abhob. Lichtblondes, dichtgelocktes Haar, das ein weißes Lederband zurückhielt, fiel bis auf die Schultern. An einem Gürtel aus Muscheln hing ein großes Horn.
Die wechselnden Lichtbewegungen brachten dauernde Veränderung über die Landschaft; sie beleuchteten auch zeitweise das helle, kühne Angesicht des unbeweglich Lauschenden.
Da brauste eine Schar Gazellen mit federnden Sätzen aus dem Schatten der Bäume. Hurtig erfaßte der Mann seinen Speer, dessen Spitze von einer kunstvoll geschliffenen Muschel gebildet wurde.
Ein kraftvoller Wurf, und schon stürzte das erste Tier des Rudels zusammen.
In schnellem Lauf eilte der Blonde über die welligen Hügel, die ihn von seiner Beute trennten. Als erstes untersuchte er, ob das Tier verendet war, damit es nicht unnötig leiden mußte.
Er band die Läufe der schlanken Gazelle mit dem zähen Darm eines Tieres zusammen, und mit Schwung hob er es auf die kräftige Schulter. Dann ging er mit weitem, elastischem Schritt über das weiche, feuchte, silberblau schimmernde Moos landeinwärts.
Hinter dem Walde erstieg er einen Hügel. Nirgends ein Weg, kaum ein schmaler Pfad, doch er verfehlte die Richtung nicht.
Fern zogen weite Herden von großen, schwarzen, gehörnten Tieren in die dichteren Wälder. Ihr Brüllen erreichte zuweilen das Ohr des stillen, nachdenklichen Wanderers. Riesenhafte Tiere mochten es sein, die da mit ihren Kühen und Kälbern landeinwärts zogen. Sie kamen von der Tränke.
Als der Wanderer die höchste Stelle des langhingestreckten Hügels erreicht hatte, blickte er in eine weite Mulde. Sie sah aus wie der Kessel eines ausgebrannten und verschütteten, ganz niederen Kraters. Hell huschte das Himmelslicht auch über diese Stätte, die die lichten Helfer einer kleinen Menschenschar zur Heimat gegeben hatten.
Helle, weißlich schimmernde Hügel grüßten ihn aus der Tiefe. In dem einen der kleinen Nester glühte das Feuer seines Herdes, kräuselte der dünne Rauch durch die Öffnung der Decke. Holda wachte noch und harrte seiner, um ihm das Mahl zu bereiten.
Als er Holdas gedachte, ging ein Lächeln über das herbe, schöne Gesicht. Kühn war es, hoch erhoben und stolz das lichte Haupt. Frei und einfach, lauter und klar war der Blick der blauen Augen. Genau wie die Wogen der See waren sie manchmal hell und voll Glanz und dann wieder dunkel und ohne Grund. Es spiegelte sich in ihnen der reine Geist, der unbeschwert die Gaben Gottes empfangen lernte, schlicht und voll Wachsamkeit.
Tiefer Dank erfüllte ihn, als er des Weibes gedachte, das ihn erwartete, und auch der Gaben aus Lichtvaters Hand, die ihnen von Wesenhaften gezeigt wurden, um sie zu nutzen. Er sah die Wesenhaften alle, er liebte sie und sprach zu ihnen, nicht mit der Stimme seines Mundes, aber mit dem Glück und dem Schmerz, mit dem Dank und der Sorge seines Herzens, und sie verstanden und lauschten und antworteten auf ihre Art.
Er blätterte so in einem lichtdurchfluteten Buche, das nicht gebunden und nicht geschrieben war mit der Hand des Menschen. Er las in dem Buche des Lebens, das ihm die Wesenhaften zeigten und dessen Sprache er verstand. Er erkannte in den Gaben der Natur das Wort Gottes.
Der dies erlebte, war Johannes, welcher zum ersten Male die Stofflichkeit der Erde betreten hatte und den Erdennamen »Hjalfdar« führte.

HJALFDAR stand lange sinnend auf der Höhe. Weit dehnte sich das tiefe Blau des Dämmerlichtes über den klaren Horizont. Ein riesiger Stern stand in einer Höhe, die ihm unerfaßbar schien. Blickte er lange empor, so war ihm, als drehe sich der ganze Himmelsraum wie eine blaue Glaskuppel mit allen anderen Sternen und auch die Fläche, auf der er stand, um diesen einen Lichtpunkt, der unendlich weit, außerhalb der Welt zu sein schien. Er glaubte, daß die Landschaft, in der er lebte, wie eine flache Scheibe auf dem unendlichen Meere schwimme, wußte er doch von seinen Jagdzügen, daß dieses schöne Heimatland von drei Seiten von Wasser umgeben war. Nach der vierten Seite zu, wo das Land sich weiter ausdehnte, hatte er bisher noch kein Meer erreicht und nahm darum an, daß dieses Land sehr groß sei.
Es schoben sich im Inneren des Landes auch allerhand Hindernisse in den Weg. Vor allem gab es dort einen Landstrich mit vielen feurigen Explosionen. Grollend erzitterte zuweilen der ganze Boden; die See warf mächtig hohe Wogen, und ein heißer Sturm raste über das Land, der Tier und Mensch erschreckte und fliehen ließ.
Flammende Feuergeister durchtanzten dann die Lüfte, zuckend breiteten sich die roten Dämpfe vor Sonne, Mond und Gestirne. Es sah sehr gespenstig aus, und die Menschen raunten vom großen Kampf der Lichten, die Erde und Meer mit ihrer Gewalt lenkten nach dem Willen Lichtvaters.
Ihnen war dann, als brenne die Welt. Immer mehr empfanden sie in der Verbindung mit allem Wesenhaften die große Macht dieser Kräfte der Natur. Stets waren sie wachsam; besonders Hjalfdar wußte an den Zeichen, die ihm die Wesenhaften durch manche Tiere oder durch Licht und Schatten, durch den Duft des Grases, die Stärke der Feuchtigkeit, durch Wind und Sand gaben, auf Tage, ja oft auf lange Mondwechsel hinaus zu beurteilen, wann und wo wieder solche Ausbrüche kommen würden. Er wußte dann, wie er sich mit Nahrung zu versorgen hatte, und besprach sich mit denen, die gleich ihm Jäger und Fischer waren.
Durch die Führung der Wesenhaften waren sie auch auf ihre Bauten gekommen, die ihnen bei schweren Unwettern Schutz gewährten.
Vorher hatten sie bei Ausbruch eines Sturmes wie scheue Tiere unter ihren Fellen gekauert und ihre lichten Helfer um Rat und Trost gebeten. Mit scharfen Augen, jeden Nerv gespannt, hatten sie hinausgeblickt in das wirbelnde Treiben der Elemente und nichts gewahrt als Staub, der, von rötlicher Glut erleuchtet, um sie wirbelte.
Hjalfdar und einer seiner Brüder aber krochen eines Tages hinaus aus den bergenden Häuten; denn sie konnten das Weinen der Kinder, das Beben der Frauen nicht mehr ertragen.
Sie kämpften sich durch den Sturm, um Obdach, einen Baum, eine Mulde oder einen schützenden Hügel zu finden. Da gewahrten sie mittelgroße, schleiergraue Vögel, die ängstlich, aber gewandt nahe dem Boden umherflogen. Diese holten sich allerhand feine Fasern, Stücke poröser Asche und Lehm. Und in ihnen sagte eine Stimme:
»Tut gleich den Vögeln. Folgt ihnen und seht!«
Und sie folgten der Richtung, in welcher die Vögel verschwanden. Da entdeckten sie in einiger Entfernung im Rücken eines langgestreckten Hügels weißgraue, eigentümliche Gebilde auf der Erde.
Wie Kugeln, nach oben etwas zugespitzt, saßen sie unbeweglich auf demselben Punkte. Unzählige waren es. Eilig und schreiend schwirrten die eulenähnlichen großen Vögel durch die kleinen weißen Hügel.
Sie gingen näher und sahen, daß es diese Vögel waren, die die kleinen Hügel bauten. Sie untersuchten einen solchen Bau gründlich, doch hüteten sie sich wohl, ihn zu zerstören. Sie kannten die Folgen nur zu gut, die solche Sünde wider die Natur für sie gehabt hätte, denn sie sahen die Vorgänge, die sich hierbei feinstofflich um und an sie hefteten. Sie fühlten jede falsche Handlung wie die Last eines großen Steines und erlebten nach kurzer Zeit einen Rückschlag aus der Welt des Wesenhaften. Durch die Ausstrahlungen, welche sie selbst hervorgerufen hatten, konnte er nicht ausbleiben.
»Wenn Ihr Euch vor Übel und Leid bewahren wollt, so seid wachsam allezeit«, hatte Hjalfdars Vater sie gelehrt. Und so wußte es Hjalfdar selber und hatte es erprobt.
»Du darfst keinem Geschöpf Allvaters um eigenen Vorteils willen Leid zufügen!« hatte der Leuchtende ihm gesagt, der ihm oft erschien.
Das war nicht immer leicht im Kampf mit der Natur. In jener Zeit hatte er nicht mehr gewagt, ein Tier zu fangen, da es in der Falle litt. Und doch durfte, sollte er töten; denn der Lichte hatte ihm gesagt:
»Du sollst Dich von den Tieren des Waldes, des Wassers und der Weide nähren; denn sie sind rein. Auch von den Vögeln, die kein Aas fressen. Du sollst Deinen Leib gut nähren, aber nicht im Überfluß. Du darfst das Schwächere besiegen, aber Du darfst es nicht quälen. Rein sei Dein Denken, dann bleibst Du rein im Tun!«
Und diese Worte des Lichten hatte er dem Stamm verkündet; denn es war für sie das erste und nötigste Lebensgesetz.
In allem halfen die lichten Freunde. Sie führten mit unfehlbarer Sicherheit zu jenen Stellen, die den richtigen Lehm, die richtigen Zweige, Gräser und Halme aufwiesen, um schützende Hütten für die Menschen zu erbauen. Die tüchtigen kleinen Baukünstler zeigten genau, wie der Bau von Grund aus durchzuführen war; die Männer mußten nur mit großer Vorsicht ihr Tun betrachten.
Wie herrlich fügte sich der Menschengeist in die Gesetze der Natur ein! In freudigem Schaffen entstanden in kurzer Zeit Hütten mit einer runden Öffnung als Eingang und einer weiteren für den Rauch der Flamme. Ein kleines Feuerloch wurde in ihrer Mitte gegraben, mit dem Schlamm des Meeres ausgestrichen und so eine Stätte bereitet für die goldene Flamme, die sie aus den Feuerseen geholt und bewahrt hatten.
An einer Stange wurde dann das Fleisch über dem Feuer geröstet, die reichlichen Früchte aber in der glimmenden Asche gebraten. So nährten sie sich während der dunkleren, kälteren Zeit.
Felle schmückten den runden Innenraum und dienten auch als Lager. Muscheln bildeten die ersten Gerätschaften sowie scharfe, an ihnen geschliffene kalkähnliche Steine, die auch zu Wurfgeschossen und zu Hiebwaffen gebraucht wurden.
In den Schalen großer Früchte, die den jetzigen Kürbissen glichen, jedoch auf hohen, dichten Strauchgruppen, ähnlich den Zirbeln, wuchsen, wurde das frische Wasser geschöpft. Sie waren wie Krüge und Schalen als einzige Zierde neben den Muschelspeeren und Waffen der Männer zu finden.
Die Waffen bestanden aus Speeren, Keule, Axt und Messer.
Die Frauen saßen zumeist vor ihren Hütten, die sie mit dem Wort Baude bezeichneten. Sie waren still und herb. Ihr blondes Haar war viel länger als das der Männer; sie banden es mit Pflanzenfasern im Nacken zusammen.
Auf roh zusammengefügten Rahmen, die auf Pfählen befestigt waren, flochten sie Netze zum Fangen der Fische. In den Bächen wurden sie mit den Händen gefangen. Am Meere aber ließ man die Netze aufgespannt stehen und harrte der Stunde, da Njördhr, der Herr des Meeres, seine weißen Meeresrosse zum Strande trieb. Donnernd kam dann die Flut und überspielte bis weit in die feuchten Wiesengründe den rauhen kalkigen Strand.
So war durch die Führung der Wesenhaften den Menschen eine Heimstätte geworden. Sie blieben da und bauten sich ihre Hütten. Eine kleine Siedlung erstand dadurch in kürzester Zeit. Die Lage war günstig für die Menschen; denn auf der nördlichen Seite waren sie nicht weit entfernt vom Meere, das seine frische Kühle sandte und den Dunst und Dampf fernhielt, der aus den Feuerseen oft in langen Schwaden südöstlich zog.
Östlich weiteten sich grüne Gefilde mit sanften Hügeln und erloschenen Kratermulden, die mit kurzen, saftigen Gras- und Moosarten bewachsen waren. Klare, süße Wasser entsprangen dort und rieselten in einem schmalen Bachbett quer durch das Land ins Meer. An den Ufern der Bäche gediehen besonders saftige Pflanzen mit üppigen Blättern.
Als sie weiter östlich wanderten, erreichten die Menschen niedere, aber dichte Wälder, die hauptsächlich aus mächtigen Farnarten und eigentümlichen schachtelhalmähnlichen Bäumen bestanden. In den hohen Schachtelbaumwäldern war ein reges Treiben von Tieren aller Arten, die sich nie aus ihren Wäldern entfernten. Sie waren eng mit ihrer Umgebung verbunden, die ihnen alles zum Leben Notwendige gab.
Um die zottigen und weichen Felle zu erhalten, mußten die Jäger durch diese Wälder streifen, die nicht so leicht zu durchqueren waren.
So zog auch Hjalfdar eines Tages wieder mit zwei Jägern aus. Anscheinend fester grüner Boden lockte die Wanderer, die sich möglichst lautlos einen Weg bahnten; denn das kleinste Geräusch störte die scheuen Tiere, die dort im tiefen Versteck lagen.
Der grüne Boden aber war oft nur eine dünne Decke feinen Geflechtes, das stille, regungslose Wasser verbarg. Aus ihnen tauchten zuweilen ganz unvermutet große graugrüne Häupter auf, die selbst die Zeichnung der Blätter oder des Moosgeflechtes aufwiesen, und mit rundem, starrem Goldauge sah ein breitgedrückter riesiger Kopf mit weitem, furchtbar gähnendem Maul auf die Wanderer, die oft ganz unvermutet davorstanden. Dann stieß das Tier einen Laut aus und verschwand glucksend und fauchend unter der Decke seines Sumpfes. Es war nicht böse, sondern eher scheu.
Hatten die Jäger Glück, so entstieg es in einiger Entfernung dem Wasser und drang in das tiefe Dickicht des Waldes. Dadurch zeigte und bahnte es den Jägern einen sicheren Weg.
Häßlich war es anzuschauen in seiner riesenhaften Größe; die plumpe Gestalt stand auf vier kurzen, breitfüßigen Beinen. An einem überlangen, etwas gebogenen Hals saß ein länglicher, trotzdem sehr breiter, formlos häßlicher Kopf mit kleinen Ohren.
Im Gehen riß es sich Zweige von den wild wogenden Bäumen und trat stampfend nieder, was ihm in den Weg kam. Die Wipfel der Bäume überragten kaum den Kopf dieses häßlichen Tieres.
Eine betäubende Schwüle und die Ausatmung giftiger Pflanzen, die dem Sumpf auf hohen wässerigen Stengeln entstiegen, erschwerten das Atmen. Es bestand ein großer Gegensatz zwischen diesen Wäldern und den frischen Hügelketten, wo Hjalfdars Stamm seine Hütten baute.
Sie waren noch nicht bis zu den Wäldern vorgedrungen, die weiter nordöstlich, anschließend an diese sumpfigen Gründe lagen. Es sah dort aus, als hätte eine Bewegung der Erde Falten und Treppen geschoben, die zähes Kiefergehölz bedeckte. Im Übergang gab es einige kleine und verkümmerte Baumarten, die jetzt nicht mehr bekannt sind.
Graue Nebelschwaden zogen nordöstlich über diese Höhen, die einer kleinen Hochebene glichen. Eigentümlich zähes Erdreich ballte sich zu Klumpen und rollte bröckelnd abwärts, wenn der Fuß daran stieß.
Mit dürren Nadeln war der Boden bestreut, lehmig spröde Höhlen zeigten sich in den Tiefen der Hügelkette. Weiter nordostwärts führte der Weg in Nebel.
Rauhe, naßkalte Winde begannen zu blasen, und immer tiefer, immer dichter, immer düsterer drohten die Wälder, aber die drei Jäger schritten leise und mutig, auf die Beute lauernd, mit unbeugsamem Willen voran.
Dumpfes Gebrumm ließ sich unter der Erde vernehmen. Darum stockte ihr Fuß; ihr Ohr, das leiseste Töne sofort erfaßte, lauschte gespannt. Schweigend ließen sie sich in einiger Entfernung voneinander nieder. Still saßen sie und warteten; doch nichts konnten sie wahrnehmen als das leise Brummen in der Erde. Hjalfdar erhob sich und ging, wie von unsichtbarer Hand geleitet, eine Strecke Weges hin und her, quer und im Viereck. Dann beschrieb er einen Kreis. Dies war der Umkreis, in dem er die Höhle des Wildes vermutete.
Zuletzt bezeichnete er mit der Spitze seines Speeres die Stelle, an der sie graben wollten.
Eine große Grube wurde mit schwer zu handhabenden Schaufeln gegraben. Aus großen Geweihen der Hirsche zugeschliffen, ergaben sie brauchbare Stich- und Schaufelgeräte, mit denen die Männer kräftig und geschickt umgingen.
Schweigend arbeiteten die Menschen, um das scheue Tier nicht zu warnen. Helfende Hände machten es ihnen leicht. Aus dem Lehm lachten kleine Gesichter. Die Männchen, denen sie angehörten, hüpften emsig umher. Mit den Händen führten sie die Spitze der Spaten und zeigten die Stelle, wo gegraben werden mußte. Lustig riefen sie, als sie auf Widerstand stießen:
»Das ist eine Wurzel des Baumes, nur weiter, sie hält die Wölbung der Höhle, bald habt Ihr es geschafft.«
Hjalfdar konnte Wort für Wort verstehen, was die Kleinen sagten. Er freute sich, daß sie sich zeigten. Die anderen waren im Eifer ganz mit sich und ihrer Arbeit beschäftigt und sahen darum nicht viel davon.
»Es ist ein schwarzer Höhlenbär«, sagte das eine der Männchen, »fast so groß wie Du. Herrlich ist der dichte Pelz. Er ist noch jung, erst zwei Sommer, und schon so groß. Wenn es so weitergeht, wachsen diese wilden Riesen noch über den Wald hinaus.«
Als hätte er gemerkt, daß von ihm die Rede war, klang sein Gebrumm dumpf aus der Erde. Der kleine Wesenhafte trippelte auf Hjalfdar zu und zeigte auf seine Hand.
»Hüte Dich heute, daß die Hand nicht Schaden leidet! Unheilfäden spinnen sich um sie. Hat ein Tier unnötig leiden müssen von Deiner Hand? Hast Du ein Gebot Allvaters mißachtet?«
Hjalfdar stutzte. Ernst und sinnend sah er auf die rechte Hand.
»Ich weiß nicht, ob ich gefehlt habe«, sagte er wie zu sich selbst. »Oft wissen wir es erst, wenn schon die Rückschläge auf uns prasseln. Ein weißes Huhn traf unlängst mein Speer, als er nach einem Wal geworfen wurde. Ich glaubte, es sei tot, aber es hob sich empor und lief in das Riff.«
»Ja, und dort ist es gestorben,weil Du nicht vorsichtig warst.« Warnend und vorwurfsvoll flüsterte es ein Stimmchen neben ihm. »Die weiße Welle schmäht Dich darum.«
»Die weiße Welle!«
So hieß eine der tanzenden Töchter Njördhrs, eine Meerjungfer, die ihm die Fäden um die Hand gesponnen.
»Wie kann ich lösen, was ich versehen?«
»Du wirst lösen, noch ehe Du es gedacht hast«, sagte die helle Stimme. »Nimm darum dieses Blatt vom Sumpfbaum, es ist riesengroß, und wenn Du Schaden leidest, binde es Dir auf!«
Wieder hatten die Wesenhaften den Menschengeist belehrt. Neu war es Hjalfdar, daß die Blätter gut sein könnten für kranke Stellen. Er tat, was ihm geraten worden war, und steckte das Blatt zu sich.
Mittlerweile war der Graben fertig geworden, der mit der einen Seite an die Höhle des Bären reichte. Ein großer Ast, mit Honig bestrichen, kam hinein, dann wurde der Graben mit Zweigen bedeckt. Oberhalb aber wurde eine Schicht über der Höhle entfernt, dann legten sich die drei auf die Erde und lauschten.
Nicht lange, und sie vernahmen, wie der Bär seine Höhle schnuppernd durchforschte.
»Er riecht den Honig«, flüsterte das Männchen, das vor Hjalfdar saß und gespannt dreinschaute.
Dann begann unten im Bau ein wütendes Knurren und Scharren, und es war zu hören, daß sich das Tier ans Graben gemacht hatte.
»Den rechten Augenblick müßt Ihr erspähen, wenn er den Kopf in der Falle hält und an dem Honig leckt! Dann brecht Ihr von oben durch in die Höhle und bindet ihn. Ich aber springe durch die Zweige in die Grube und schlage ihn aufs Haupt«, sagte Hjalfdar.
Oft schon war diese Arbeit, die mühsam, zeitraubend und gefährlich war, Hjalfdar geglückt. Er hatte keine Sorge.
»Du mußt allzeit mutig sein und immer auf Lichtvater vertrauen«, hatte ihn der Vater gelehrt, und der Lichte hatte ihm gesagt: »Schicke keine Angst in die Welt, dann kann keine Angst Dich erreichen!«
Darum hütete er sich vor der Furcht. Immer wieder sah er auf seine Hand, die grauen Fäden hingen noch daran fest.
Und der Augenblick höchster Spannung kam. Sie hörten den Bären lecken und sich an dem süßen Honig laben. Die beiden Gefährten hieben mit ihren Äxten den Gang der Höhle ein, die nicht weit unter der Erde war, und standen dem Bären im Rücken.
Vor seine Nase, mitten durch grünes Ästegewirr, sprang Hjalfdar mit geschwungener Keule, die mit einem kräftigen Schlag den mächtigen Schädel des Bären traf. Brechenden Blickes sah der Bär noch auf, rot wie Feuer war sein Auge. Dann aber holte die mächtige Tatze zum Gegenschlag aus und traf mit scharfem Krallenhieb Hjalfdars Rechte. Blut strömte herab von der Hand, Blut troff aus der Nase des Bären.
»Weiße Welle, Du hast Dein Huhn liebgehabt!« lachte Hjalfdar und wand das Blatt des Riesensumpfbaumes um seine Hand. »Dank, kleiner Erdgeist, für den guten Rat«, sagte er leise.
Dann half er den Freunden, den Bären zu befreien. Mit langem Pflanzengeschling wurde er gebunden und an eine Stange gehängt, die sie sich mühsam vom Boden rissen.
Tiefe Nacht war angebrochen. Durch die Schatten der hohen Bäume schienen des Mondes rötliches Licht und der blasse Nordstern.
Hjalfdar sprach sein Lichtgebet.