Irrwege – Werkausgabe, Band 3

Richard Steinpach

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Dr. Richard Steinpach (1917–1992) war ein Meister darin, ganzheitliche Zusammenhänge mit Hilfe einfacher Alltags-Gleichnisse plausibel zu machen. Er hielt in den 1980er Jahren vielbeachtete Vorträge zu zentralen Lebensfragen im gesamten deutschsprachigen Raum und zählte über Jahrzehnte zu den wichtigsten Autoren des „Verlags der Stiftung Gralsbotschaft“. In der Werkausgabe „Sieh: die Wahrheit liegt so nahe“ sind seine wichtigsten schriftstellerischen Arbeiten zusammengefaßt. „Irrwege“ ist Band 3 der Werkausgabe und enthält folgende Beiträge:

Der unwillkommene Geist (Gedanken zur Geburtenregelung)
Dein ist mein ganzes Herz (Gedanken zur Organverpflanzung)
Der Schritt über die Schwelle (zum Suchtproblem)
Das Trojanische Pferd (zur Atomenergie)
Das einst Erlebte (Rückführung in die Vorexistenzen)
Das „gefälschte“ Grabtuch

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Autor Richard Steinpach
ISBN 978-3-87860-225-5
Formát 13.00 x 21.50 cm
Provedení Halbleinen mit Einband
Počet stran 176
Jazyk Deutsch
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DER UNWILLKOMMENE GEIST
- Gedanken zur Geburtenregelung -

Die Geburtenregelung ist seit einiger Zeit Gegenstand weltweiter Auseinandersetzung. Das explosive Anwachsen der Erdbevölkerung und die immer hemmungsloser werdende Sexualisierung heizen, wenn auch aus unterschiedlichen Gründen, die Debatte immer aufs neue an.
Angesichts der Verantwortung für das irdische Sein zeigt sich aber, daß der Mensch noch nicht ganz ertaubt ist für die mahnende Stimme des Gewissens. Hier fühlt er sich einbezogen in ein lebendig-schöpferisches Geschehen, dessen Bedeutung an Verborgenes rührt. Manchem erscheint deshalb eine regelnde Maßnahme als vorgeburtlicher Mord, und er fragt sich, ob sie nicht Sünde sei.
Was aber ist Sünde? Sie ist, kurz gesagt, Verstoß gegen das Schöpfungsgesetz, das uns als Naturgesetz – im weitesten Sinne – erkennbar wird. Als einziges Geschöpf vermag der Mensch infolge der dem Geiste eigenen Willensfreiheit diesem Gesetze auch zuwiderzuhandeln. Da er darin zubewußter Mitwirkung berufen ist, muß er erst reifend lernen, sich in freudiger Freiwilligkeit diesem Gesetze einzufügen, wenn er sein Ich als unbrauchbar nicht wiederum verlieren will.
Für das Kleinkind sind »Messer, Gabel, Scher’ und Licht« noch voll der Gefahren. Es kennt ihre Zweckbestimmung nicht und weiß sie daher nicht richtig zu gebrauchen. Doch mit jeder schmerzlichen Erfahrung wächst das Verständnis. So müssen auch wir das Schöpfungsgesetz verstehen lernen, denn »einfügen kann sich nur der, der die Naturgesetze kennt« (GB »Weltgeschehen«). Wird dieses Gesetz mißbraucht, seinem Zwecke entfremdet, so schlägt es früher oder später selbsttätig zurück, um uns zwar leidvoll, aber heilsam zu belehren. Erst die Kenntnis der Gesetze in der Schöpfung ermöglicht es uns also, die Sünde und ihre Folgen zu meiden.
Dieses Schöpfungsgesetz aber, nach dem wir uns ausrichten müssen, ist von immerwährender Gültigkeit. Es ist der lebendig wirkende Wille Gottes. Nichts hat sich seit der Erschaffung der Welten daran geändert. Erst in der Anerkennung dieser Unveränderlichkeit liegt wahre Ehrfurcht. Was gestern Sünde war, kann daher nicht heute erlaubt sein. Fortschritt liegt nur in dem besseren Verständnis des göttlichen Willens, niemals aber darin, ihn unseren wechselvollen Anschauungen anpassen zu wollen.
Mancher Leser mag sich gefragt haben, warum zu der brennenden Frage der Geburtenregelung hier bisher nicht Stellung genommen wurde. Die Gralsbotschaft sollte auch darauf eine Antwort bieten, zeigt sie uns doch die Gesetze der Schöpfung auf, wodurch sich alle Fragen lösen. Da sie sich aber an den einzelnen Menschen wendet und ihn zu eigener Regsamkeit aufruft, wird jede Antwort stets das Ergebnis der Suche des einzelnen sein. Es ist aber nicht Schwäche, sondern Stärke einer Lehre, wenn sie uns zwingt, selbst nachzudenken, denn nur dadurch erstarken wir.
Wenn ich im folgenden meine zu diesem Thema angestellten Überlegungen vortragen will, so wird es nötig werden, manche verschobenen Begriffe zurechtzurücken und in neuer Bedeutung darzustellen. Es wird auch weiter auszuholen sein, als es bei Behandlung dieser Frage bisher geschah. Die Geburtenregelung kann nicht für sich allein betrachtet werden, zu tief ist sie eingebettet in die Gesamtheit und Zweckbestimmung des menschlichen Daseins.
In den Jahrtausenden seines Wandelns über dieses Gestirn hat der Mensch es noch nicht vermocht, sich selbst und seine Aufgabe zu ergründen. Wie sollte er also in der Lage sein, über die rechte Anwendung der ihm vom Schöpfer verliehenen Gaben Aufschluß zu geben, da er doch gar nicht weiß,wozu sie ihm geschenkt worden sind?
Diese Wissenslücke schließt die Gralsbotschaft. Sie lehrt uns, daß des Menschen Art geistig ist. Dadurch unterscheidet er sich von allen anderen Geschöpfen dieser Erde. Doch seine Geistigkeit – sie ist scharf zu trennen von Verstand, Intellekt und erlernter Bildung – ist nur Anlage, sie bedarf der Entwicklung, um zur Vollendung zu kommen. So dient diesem geistigen Samenkorn die dichte, stoffliche Welt, in die es mit seinem Erdenkörper gestellt ist, als Mittel, um lichtwärts reifen zu können. Der Geist soll hier im Erleben immer regsamer, bewußter, lebendiger werden – das ist der Sinn eines Erdenseins. Doch die Art des Geistes und die Grobstofflichkeit sind voneinander zu sehr verschieden. Es bedarf daher einer Reihe von Brücken. Die letzte, unterste derselben ist die so umstrittene Sexualkraft.
Durch die Gralsbotschaft wird der Sinn dieses Naturtriebes klar gemacht. Sein Hauptzweck ist es, dem Menschengeiste die voll wirksame Entfaltung in der Stofflichkeit zu ermöglichen (Vorträge: »Der Mensch und sein freier Wille«, »Die Sexualkraft in ihrer Bedeutung zum geistigen Aufstiege«). Die darin liegende Hilfe umfaßt alle Formen irdischen Wirkens, sie ist nicht auf das Geschlechtliche beschränkt. Erst mit dem Durchbruch der Sexualkraft steht der Geist voll befähigt, aber auch voll verantwortlich in dieser Erdenwelt. Selbst unsere irdischen Gesetze tragen dem Rechnung, und die alten Riten, die bei manchen Völkern und Religionen diesen Zeitpunkt als besonders bedeutsam hervorheben, haben eine weit über die bloße Geschlechtsreife hinausreichende Berechtigung. Die Gralsbotschaft gebraucht in diesem Zusammenhange das Bild von dem Herablassen einer Zugbrücke, über welche nicht nur die eigenen Kräfte nach außen dringen können, sondern auch die Außenwelt ihre Einwirkung geltend macht.
Die Zeugungsfähigkeit ist nur eine der möglichen Betätigungen der Sexualkraft. In Wahrheit bedienen wir uns ihrer bei allem irdischen Tun. Nur die Verkennung der geistigen Art und Aufgabe des Menschen führte zur Gleichsetzung der Sexualkraft mit dem Geschlechtstrieb. Doch das Wort ist treffend: Läßt man sich vom geschlechtlichen Verlangen treiben, anstatt kraft des Geistes darüber zu herrschen, so ist es nicht verwunderlich, daß man die wahre Bedeutung dieser Kraft verkennt. Wer selbst seinen Gesichtskreis verengt, dessen Überlegungen müssen im Niedrigen bleiben.
Aus dem schöpfungsgesetzlichen Bestehen zweier Geschlechter erwächst ganz natürlich ein Zueinanderstreben und Sichergänzensuchen, dem das Anschlußverlangen zugrunde liegt. Beim Menschen soll daraus die Liebe erblühen. Sie bietet stärkste Hilfe zum geistigen Aufstieg, da sie freudige Rücksichtnahme und Selbstlosigkeit zu bewirken vermag und uns lehrt, das eigene Ich hintanzusetzen. Diesem hohen Gnadengeschenk haftet nichts Unsauberes, Unsittliches an. Nur der Mensch zerrt es durch seine irrige Art des Denkens oftmals hinab in den Schmutz seiner eigenen Fehler und Schwächen. Niemals aber kann es Unrecht sein, die uns vom Schöpfer verliehenen Gaben in natürlicher Weise zu nützen.
Um uns klar zu werden, worin diese natürliche Betätigung liegt, müssen wir die Bedeutung der Sexualkraft im Verhältnis der Geschlechter näher betrachten. Die ganze Stofflichkeit, so auch der Erdenkörper, wird belebt und durchdrungen von naturnahen (wesenhaften) Kräften. Diese aber sollen – das erhebt den Menschen über das Tier – beherrscht und geleitet werden vom Geist. Aus geistiger Verbundenheit, die allein das untrügliche Zeichen harmonischer Ergänzung der Geschlechter ist, muß der Wunsch nach größtmöglicher Nähe zum anderen erwachsen. Dann wird er, dieGanzheit des Menschen umfassend, durch den Erdenkörper nur seine Auslösung finden, da der Menschengeist nun einmal stoffliche Hüllen trägt. Bei einer solchen Verbindung im schöpfungsgesetzlich richtigen Sinne kommt es zu einem Austausch der Fluide der Partner, der für deren geistige Entwicklung förderlich und notwendig ist.
Die Sexualkraft hat also im Verhältnis der Partner eine auch dem Geistigen dienende Aufgabe. Daß von dieser hohen Zweckbestimmung heute nur noch selten Gebrauch gemacht wird und der Mensch sich mit Niedererem begnügt, ändert nichts an der bestehenden Möglichkeit. Für den allein auf die Körperlichkeit bezogenen »Sex« mußte freilich die grobstoffliche Organfunktion in den Vordergrund der Betrachtung rücken. Es bedeutet jedoch eine Verkleinerung der schöpfungsgemäßen Bestimmung, anzunehmen, die Vereinigung der Geschlechter habe ausschließlich die Begründung grobstofflichen Daseins zum Ziele. Die Gralsbotschaft sagt mit aller Deutlichkeit: »Der Zeugungszweck kommt erst in zweiter Linie« (Vortrag: »Die Sexualkraft in ihrer Bedeutung zum geistigen Aufstiege«).
So ist die Mutterschaft zwar eine hohe, doch nicht die höchste Aufgabe der Erdenweiblichkeit. Mutterschaft wurzelt im Wesenhaften, sie ist nur höchste Erfüllung jener naturnahen Kräfte, die der Mensch mit dem Tiere gemeinsam hat.
Des Menschen Aufgabe aber liegt viel höher als die des Tieres. Stoffliches und Wesenhaftes sind ihm nur beigegeben zur Entwicklung des Geistes. Zwar gibt es Weiblichkeit in allen Stufen der Schöpfung, Fortpflanzung aber nur in der Grobstofflichkeit. Daraus läßt sich erkennen, daß es keineswegs zum Wesen der Weiblichkeit schlechthin gehört, Gefäß der Fortpflanzung zu sein. Mit der Überbewertung der Mutterschaft wird die Erdenfrau in Wahrheit also nicht geadelt, sondern ihrem geistigen Daseinszweck entfremdet (GB »Die Aufgabe der Menschenweiblichkeit«).
Irrigerweise meinen viele Eltern, sie könnten mit einer Zeugung Leben erschaffen. Das Leben aber ist GOTT allein. Alles Seiende ist nur Auswirkungjener unbegreiflichen Kraft, die allein aus sich selbst heraus lebendig ist. Durch die Zeugung wird nur die Ausbildung der grobstofflichen Körperhülleeingeleitet, deren sich ein Menschengeist zu seinem Erdenleben bedienen kann. Dieser Geist lebt schon längst in anderen Sphären, denn

»die irdische Geburt bildet stets nur den Beginn eines besonderen Abschnittes in dem ganzen Sein eines Menschen, nicht aber dessen Anfang überhaupt.« (GB »Das Geheimnis der Geburt«)

Durch Gleichart oder Schicksalsfäden angezogen, vollzieht sich etwa um die Mitte der Schwangerschaft bloß ein Anschluß des Geistes an den im Aufbau begriffenen Körper, der sich erst dadurch weiterentwickeln kann.

»Die Zeugung soll für einen geistig freien Menschen nichts andres sein als der Beweis seiner Bereitwilligkeit, einen fremden Menschengeist als Dauergast in die Familie aufzunehmen, ihm Gelegenheit zu geben, auf der Erde abzulösen und zu reifen. Nur wo auf beiden Seiten der innige Wunsch für diesen Zweck vorhanden ist, soll die Gelegenheit zu einer Zeugung erfolgen.« (GB »Das Recht des Kindes an die Eltern«)

Wie wenige Eltern aber sind sich dieser Bedeutung einer Zeugung bewußt. Selbst jene, die Nachkommenschaft ersehnen, »wünschen sich ein Kind«. Darin zeigt sich die auf die eigene Person bezogene Absicht. Denn fast immer erhoffen die Eltern etwas für sich, seien es nun Freude, Unterstützung oder gar Rechte. Daraus folgt dann die große Enttäuschung, ja der Vorwurf der Undankbarkeit, wenn das Kind eigene Wege geht, worauf es als selbständiger Menschengeist ein unbestreitbares Anrecht hat. Der Fehler liegt nicht bei dem Kinde, er lag bei den Eltern, die den Sinn einer Zeugung nicht begriffen haben. Denn Dienen wird dazu gefordert, Opferbereitschaft um eines anderen willen. Mag dann auch wechselwirkendFreude und eigener geistiger Fortschritt den Eltern ausgleichend zufallen, so gilt es doch in erster Linie nicht Rechte zu erwerben, sondern Pflichten auf sich zu nehmen, Pflichten, deren Inhalt erkannt sein will. Nur wenn aufrichtiges Verlangen darnach besteht, soll eine Zeugung erfolgen. In anderen Fällen also nicht.
Die vorstehend wiedergegebenen Worte der Gralsbotschaft bieten den Schlüssel zu der hier zu behandelnden Frage. Es wäre mit dem von den Eltern geforderten Bewußtsein der Verantwortung unvereinbar, die Zeugung dem arteigenen Vorrecht des Geistes entziehen und allein dem Walten der wesenhaften Kräfte überlassen zu wollen. Das Wort »Bereitwilligkeit« bringt ja zum Ausdruck, daß eine Entscheidung zu treffen ist. Die Steuerung der Organfunktion für diese oder jene ihrer mehrfachen Aufgaben ist daher kein Mißbrauch derselben. Wir schöpfen ja auch sonst die uns gegebenen körperlichen Möglichkeiten nicht stets zur Gänze aus, sondern passen sie sinnvoll dem angestrebten Zwecke an. Es ist vielmehr die gedankenlose, gleichsam beiläufige Zeugung, die der geistigen Art des Menschen unwürdig ist. Eine Zeugung nur im Vollbewußtsein ihrer wahren Bedeutung zuzulassen, ist nicht nur ein Recht, sondern die Pflicht des freien Menschengeistes.
Ob, wann und in welchem Umfange sie von der ihnen gnadenvoll gewährten Möglichkeit Gebrauch machen wollen, einem Menschengeist ein neues Erdensein zu eröffnen, können und müssen nur die Beteiligten selbst entscheiden. Sie müssen dabei auch bedenken, daß »die Menschen nicht in der ersten Linie für Kinder hier auf Erden sind, sondern für sich selbst, damit sie geistig reifen und erstarken können« (GB »Das traute Heim«), denn nur dann wird ihnen das Kind zum Segen werden und sie nicht vom eigenen Aufstiege abziehen. Bei dieser Entscheidung darf keiner der Partner dem anderen seinen Willen aufzuzwingen suchen, es muß auf beiden Seiten die Bereitschaft gleichermaßen vorhanden sein.
Kaum schien es, als hätte sich eine Antwort auf unsere Frage ergeben, so zerflattert sie also wieder in die unüberschaubare Vielfalt der nur für den einzelnen bestimmenden Umstände und Beweggründe. Das aber ist durchaus richtig so. Denn es gibt keine allgemein verbindlichen Normen außer den Zehn Geboten Gottes. In der Deutung, die sie durch Abd-ru-shin gefunden haben, zeigen sie ihren umfassenden Sinngehalt. Nur dort heißt es: »Du sollst …, Du sollst nicht …« Darüber hinaus soll nur das Schöpfungsgesetz uns leiten. Es wurde uns durch Christi Worte und durch die Gralsbotschaft erklärt; bei rechter Beobachtung können wir es stets deutlicher erkennen. Gleich einem Richter müssen wir im Einzelfalle trachten, den Sachverhalt dem richtigen Gesetz zu unterstellen, das allein den Knoten gerecht zu lösen vermag. Das ist der Lehrstoff unseres Erdenseins, er kann uns nicht erspart werden, wenn wir das Klassenziel erreichen wollen. Auch wer ein Rätsel nicht selbst lösen will, sondern sogleich die Auflösung zur Hand nimmt, hat nichts davon. Lassen wir uns also nicht das höchstpersönliche Erlebnis des Wachsens und Werdens einer Entscheidung von anderen abnehmen. Das Abwägen des Für und Wider ist es ja, das uns zur Reifung hilft, das uns erfahrener, bewußter werden läßt.
Die Auseinandersetzung um die Geburtenkontrolle konnte nur deshalb so heftig aufbranden, weil es unternommen wurde, allgemein verbindliche Gebote aufzustellen in einem Bereiche, der dem Willen und der Verantwortung des einzelnen vorbehalten ist und bleiben muß. Mag geistige Trägheit auch darnach verlangen, der eigenen Überlegung durch eine verbindliche Weisung enthoben zu werden, so bedeutet diese in Wahrheit nicht Hilfe, sondern Schädigung bei der Erfüllung unseres Lebenszweckes.
Es bleibt nun noch die Frage, wie die Entscheidung auch verwirklicht werden kann. Zu den bisher bekannten Möglichkeiten ist vor einiger Zeit »die Pille« gekommen. Erst durch sie erhielt das Problem seine weltweite Bedeutung und wurde ins allgemeine Blickfeld gerückt.
Legen wir das Naturgesetz zugrunde, so sollte es keinen Zweifel geben, daß »die Pille« auf das entschiedenste abzulehnen ist. Um so erschütternder ist ihre bedenkenlose Verbreitung. Es ist, als wollte der Mensch wieder einmal nicht sehen, wohin sein Verhalten zwangsläufig führen muß. Entgegen der ärztlichen Aufgabe, Krankes zu heilen, hat die medizinisch-pharmazeutische Wissenschaft sich hier für das Gegenteil hergegeben: Ein bislang gesundes, zur Erfüllung seiner Aufgabe taugliches Organ wird auf chemischem Wege zeitweilig unbrauchbar gemacht, der natürliche Ablauf gewaltsam gestört – welch’ ein Fortschritt der ärztlichen Kunst!
Die Pille – nennen wir es nur beim richtigen Namen – ist chemische Selbstverstümmelung. Daran vermögen alle verstandesklugen Argumente ihrer Befürworter nichts zu ändern, deren mangelnde Kenntnis schöpfungsgesetzlichen Wirkens darin nur deutlich zum Ausdruck kommt. Dabei sollte schon längst aus Erfahrung bekannt sein, daß ein Eingriff in die natürliche Ordnung nie ohne Folgen bleiben kann. Mögen sie auch nicht sogleich sichtbar werden, so kommen sie doch eines Tages hervor, denn die unvermeidbare Wechselwirkung liegt im allgültigen Schöpfungsgesetz. Was berechtigt uns anzunehmen, es würde hier etwa anders sein? Die da und dort vorgebrachten Bedenken, die unbestreitbaren körperlichen und psychischen Veränderungen, die dazu zwingen, die Einnahme der Pille zeitweilig auszusetzen, die danach verzeichneten Mehrlingsgeburten sprechen schon jetzt deutlich gegen die vorgespielte Harmlosigkeit. Erscheint nicht schließlich das Verlangen so vieler Menschen, gerade der Pille wegen eine Entscheidung von höchster Stelle zu hören, als Zeichen der eigenen Zweifel und Unsicherheit?
Doch die Auswirkungen beschränken sich nicht nur auf körperliche Nachteile. Die Pille ist geeignet, das gesamte geschlechtliche Leben naturwidrig zu verändern. Gerade in den natürlichen Gegebenheiten aber liegt Sinn und Schutz zugleich.

»Es ist nichts in der Schöpfung, das Ihr nicht genießen dürftet in dem Sinne, wie es Euch die Schöpfung gibt, das heißt, zu gleichem Zwecke, zu dem es entwickelt ist. Aber Ihr kennt die eigentlichen Zwecke in so vielen Dingen nicht, macht den Fehler mancher Übertreibungen, die Schaden bringen müssen anstatt Nutzen. Es wird dadurch so oft das Kostenwollen, Kennenlernenwollen und Genießen anwachsend zu einem Hange,welcher Euch zuletzt in Banden hält, das freie Wollen schnell versklavt, so daß Ihr Knechte anstatt Herren werdet durch Euch selbst!« (GB »Ein neu Gesetz«) ...

 

»DEIN IST MEIN GANZES HERZ!«
- Gedanken zur Organverpflanzung -

»Dein ist mein ganzes Herz!« – vor wenigen Jahren noch war dies eine Liebeserklärung, heute könnte es der Inhalt einer letztwilligen Verfügung sein. Denn wieder ist eines der großen Tabus der Menschheit gefallen. Nur wenige wissenschaftliche Großtaten der jüngeren Zeit aber haben so weltweite Beachtung gefunden wie die Herzverpflanzung. Sie hat den Anstoß gegeben, den gesamten Problemkreis der Organentnahme aufzurollen. Denn so sehr man staunen mag, was der Medizin schon alles möglich ist, so wird man dieses Fortschritts nicht recht froh. Das Bewußtsein, daß selbst das pulsierende Zentrum unseres Leibes, dessen Schlag fühlbares Leben ist, austauschbar sein soll wie der Motor eines Kraftfahrzeugs, greift uns – im vollen Sinne des Wortes – ans Herz.
Die medizinischen, rechtlichen und ethischen Gesichtspunkte dieser »Errungenschaft« sind schon reichlichst erörtert worden. Sie sollen hier nur am Rande Erwähnung finden. Gerade die Herzverpflanzung wirft Fragen auf, die tief in das Wesen menschlicher Natur und menschlichen Daseins führen. Die Wissenschaft und die Berichterstattung haben hierum einen großen Bogen gemacht, sie betäuben uns mit dem vermeintlichen Erfolg. Die dahinterstehenden, aus dem Zusammenhang der Allnatur aufsteigenden Bedenken wollen sie nicht sehen. In dieses Niemandsland fehlender Überlegungen sei hier vorzustoßen versucht.
Wir wissen, daß unser Blut, ja daß unsere Organe innerhalb gewisser Grenzen austauschbar sind. Woraus also ergibt sich das besondere Interesse, das die Ausweitung dieser Erkenntnis auch auf das Herz hervorgerufen hat? Liegt die Ursache etwa in der romantischen Verklärung, die das Herz seit frühester Zeit umgab? Dichtung und Vorstellung haben es zum Sitz der Empfindung gemacht, stets galt es als Inbegriff des Wertvollen, Hohen. Schon die alten Ägypter bezeichneten den »vollkommenen Geist« mit dem gleichen Worte wie »das Herz«, und auf den Tempelpyramiden des Aztekenreiches wurde das zuckende Menschenherz den Göttern als Opfer dargebracht. Zahlreich sind noch heute die sprachlichen Bilder, die in Beziehung zum Herzen stehen: »Es kommt von Herzen«, »es geht uns zu Herzen«, es ist uns »leicht oder schwer ums Herz«, wir »beherzigen einen Rat« oder »handeln beherzt«, und Herzlichkeit ist schönster Ausdruck aufgeschlossenen Menschentums.
Die Sprache hat stets einen feinen Sinn für das Verborgene bewiesen. Hat sie sich diesmal täuschen lassen? Sind wir, was das Verhältnis zum Herzen betrifft, zu sehr belastet von jahrtausendealter Tradition, von fortgeschlepptem Aberglauben und Unwissenheit, von denen wir uns endlich freiringen müssen? Denn das Zeitalter der Ernüchterung ist angebrochen – ist es da nicht Zeit, auch den Mythos des Herzens zu zertrümmern?
Fragen wir zunächst: Was ist denn das Herz? Für den Mediziner ist es ein Hohlmuskel mit Pumpenfunktion. Gegliedert in rechte und linke Seite, deren jede Vorkammer und Kammer umfaßt, dient es der Blutversorgung des Körpers. Aus der linken Herzkammer wird das reine, sogenannte arterielle Blut, das dünnflüssig ist, ausgepreßt. Es verästelt und verzweigt sich von dort bis in die feinsten Kapillaren, wobei es die Zellen versorgt und nährt. Dabei nimmt es die Rückstände ihres Stoffwechsels auf, wird solcherart dunkler und dickflüssiger und kehrt als sogenanntes venöses Blut in die rechte Vorkammer zurück. Doch noch ist sein Weg nicht zu Ende. Über die rechte Herzkammer wird es neuerlich ausgepreßt, gelangt in die Lunge, wird dort gereinigt und mündet, wieder hell und arteriell geworden, in die linke Vorkammer ein. Jetzt erst ist der Kreis geschlossen; es kann seinen Lauf erneut beginnen.
Mit der Betrachtung dieses Körpergeschehens sind wir schon inmitten des Wunderbaren. Denn was sich uns hier zeigt, ist ein gewaltiges Schöpfungsgesetz, das da lautet: Alles Lebendige bewegt sich im Kreise, alles muß wieder in den Ursprung zurück. Diesen Kreislauf sehen wir im Wandel der Gestirne, in den Jahreszeiten, in Tag und Nacht. Wir kennen ihn vom Fluß des elektrischen Stromes und vielen weiteren Tatsachen der Naturwissenschaft. Dieses Gesetz in uns wiederzufinden, zeigt uns, daß wir zwar Teil im Ganzen, doch zugleich ein in sich kreisender Kosmos sind.
In unserem Körper gliedert sich der Blutumlauf nun in zwei deutlich voneinander geschiedene Teile, die erst zusammen ein Ganzes ergeben: in den sogenannten »großen« Körperkreislauf, der der Versorgung der Zellen dient, und den sogenannten »kleinen« Lungenkreislauf, der der Reinigung des Blutes dient. Die Bezeichnungen »groß« und »klein« machen freilich die ichbezogene Beengtheit unserer Betrachtungsweise, unser Verhaftetsein am Stofflichen deutlich. Denn während der vermeintlich »große« Körperkreislauf durch das Leibliche begrenzt ist, öffnet sich der scheinbar »kleine« Kreislauf über die Lunge ins Unendliche. Von allen Elementen ist es aber gerade die Luft, die – schon ihrer Beschaffenheit nach – etwas vom Atem des Ewigen trägt, seine Wesenlosigkeit ahnen läßt. Über den Lungenkreislauf also nimmt unser Ich teil an einem unbegreiflichen Kraftstrom – und siehe: er reinigt und erneuert die kreisenden Säfte unseres Leibes.
Sehen wir das in uns abrollende Geschehen so, in seinen richtigen Größenverhältnissen, so wird uns zugleich ein Ahnen von der Winzigkeit des eigenen Ichs gegenüber den unermeßlichen Weiten, in die wir gnädig eingebettet sind.
Versuchen wir deshalb, uns ein wenig von dem stofflichen Bild zu lösen und den geistigen Hintergrund des in uns wirkenden Gesetzes zu erkennen.
In der Gralsbotschaft wird unter anderem auch erklärt, was unter dem Heiligen Gral zu verstehen ist. Er sei, so heißt es dort (Vortrag »Der Heilige Gral«), nicht die Abendmahlschale, in der das Blut Christi gesammelt wurde. Diese Deutung sei nur entstanden, weil man eben Heiligstes, das es auf Erden gab, mit dem Heiligen Gral in Verbindung brachte. Tatsächlich befinde sich die Gralsburg an der Spitze der – begrenzten – Schöpfung; sie stelle, teils zum einen, teils zum anderen gehörig, die Verbindung zum ewigen Strahlungsbereich des Allmächtigen her, und durch sie, über den Heiligen Gral, in dem es »ununterbrochen wallt und wogt wie rotes Blut«, ergießt sich immer wieder aufs neue die lebenserhaltende Gotteskraft bis in die fernsten Weiten der Schöpfung.
Müssen wir nicht, wenn wir es recht überlegen, zugeben: Unser Herz hat innerhalb unseres Körpers – vergröbert – eine ähnliche Stellung. Es verbindet den ins Unendliche weisenden Lungenkreislauf mit der begrenzten Schöpfung des Körpers und dessen Kreislauf. Auch im Herzen ist ein ständiges Wogen und Wallen, mit jeder seiner Bewegungen treibt es den nährenden Blutstrom hinaus in den Kosmos unseres Leibes, dessen Erschauern wir noch im Pulsschlag fühlen können. Nun wissen wir schon aus der Parzival-Sage, daß alles Lebendige welken, verdorren und sterben müßte, wenn der Segensstrom aus dem Grale ausbliebe. Erginge es unserem Körper nicht ebenso, würde der Blutstrom nur zögernd fließen oder letztlich versiegen? Ist nicht jeder Schlag unseres Herzens eine erneute Ausgießung heiliger, lebenspendender Kraft? Eine Kreislaufstörung, ein Kreislaufversagen, ein Herzinfarkt – was sind sie für die betroffenen Teile anderes als Unterbrechung der Verbindung zur Quelle des Lebens?
Auch im Abbild setzt gerade im Herzen das unbegreifliche Wunder des Lebens ein. Denn erst sein abwechselndes Zusammenziehen und Erweitern bewegt das Blut, hält den Kreislauf in Gang. Was aber veranlaßt das Herz zu seinem Schlagen? Hier stehen wir vor dem Unergründlichen: Was immer wir erkennen, begreifen können, sei es der Schlag unseres Herzens, der Strom unseres Blutes, seien es chemische Vorgänge verschiedenster Art, sie alle sind nur Bewegung, nichts als Bewegung. Diese Bewegung aber ist ihrerseits nur sichtbare Auswirkung einer außerhalb unserer selbst, ja außerhalb aller Schöpfungen seienden Ursache, die allein »das Leben« ist, weil nur sie es in sich trägt. Das Herz nun ist es, das die Verbindung zu ihr hält, das ihre Kraft für uns in jedem Erdenaugenblicke sichtbar, fühlbar macht.
Und wie sind wir doch den Gesetzen dieser Urkraft eingeordnet! Rund 72mal in der Minute schlägt unser Herz, das ist 103.680mal am Tag. 103.680 aber ist 4mal 25.920, das ist jene Anzahl von Jahren, die die Sonne benötigt, um einmal den Tierkreis zu umwandern. Man nennt diese Zeit das »kosmische Jahr«. Im Verlaufe eines einzigen Tages hat unser kleines, hastiges Menschenherz gleichsam vier kosmische Jahre lang geschlagen.
Über das Herz aber steuern wir auch den uns anvertrauten Kosmos unseres Körpers, prägen wir ihm unser Empfinden auf. Sinnenhaft werden unsere Seelenregungen am Herzen fühlbar, wird das Strömen des Blutes dadurch gedrosselt oder erleichtert. So krampft sich im Leid »das Herz zusammen«, so macht die Freude »das Herz uns leicht«. Unsere Sprache hat nicht gelogen: Wir öffnen oder verschließen uns der erhaltenden Kraft durch die Art dessen, was uns zuinnerst bewegt. Wunder über Wunder begibt sich um das menschliche Herz.
Welchen weltentiefen Sturz bedeutet es, wenn wir uns nun wieder dem Ausgangspunkt unserer Betrachtung zuwenden: der Tatsache, daß sein Herz nicht mehr allein dem Einzelmenschen gehören soll, daß es vielleicht in fremder Brust einmal schlagen kann.
Es hat doch alles so »harmlos« begonnen mit der Übertragung von Haut, Knochen, der Hornhaut, der Niere – jetzt wurde eben auch das Herz mit erfaßt. Aber ist damit das Ende solcher Vorgehensweisen erreicht? Schon vertauscht man die Köpfe von Hunden und Affen, schon züchtet man doppelköpfige Monstren. Auch diese entartete Wissenschaft leitet die Rechtfertigung für ihre Versuche und das damit verbundene Leid der geschändeten Kreatur von der künftigen Anwendbarkeit auf den Menschen ab. Schon finden wir etwa bei Gordon Rattrey Taylor (»Die biologische Zeitbombe«, S. Fischer Verlag) Sätze wie diesen:

»Die Aufgaben der technologischen Zivilisation erfordern Hände mit Fingern, die einen Knopf drücken. Es erscheint daher logisch (!), Affen mit menschlichen Abfallhänden auszurüsten. Wenn dann vielleicht auch weniger hochstehende Tiere – wie Hunde – sich für solche Aufgaben geeignet erweisen sollten, könnte man diese Tiere mit menschlichen Armen und sogar mit Füßen versehen.«

Der gleiche Autor scheut nicht davor zurück, die Vision der Kreuzung von Menschen und Tieren, der mechanisierten Menschen, ja sogar von in Maschinen eingebauten menschlichen Gehirnen als erstrebenswerte Forschungsziele hinzustellen und daran die zynische Feststellung zu knüpfen:

»Eines Tages wird es vielleicht unmöglich sein zu unterscheiden, ob man zu mechanisierten Menschen oder zu humanisierten Maschinen spricht. Und man wird nur mit Schwierigkeiten wissen, wer man selber ist.«

Wenngleich uns auch die unverrückbare Ordnung der Schöpfung vor der Verwirklichung solchen Wahnsinns schützt – ist es nicht entsetzlich genug, daß dergleichen überhaupt gedacht wird, daß Menschen auf dieses Ziel hinarbeiten?
Diese Entwicklung zwingt uns gebieterisch zur Frage: Sind wir, die wir meinen, eigene, vom anderen verschiedene Persönlichkeiten zu sein, wirklich nicht mehr als die Summe unserer körperlichen Teile, die Stück für Stück immer mehr für Allgemeingut gehalten werden?
Der Streit um die Zweiheit von Geist und Körper reicht bis in unsere Tage. Mehr denn anderswo gilt hier das Goethewort: »Wenn ihr’s nicht fühlt, ihr werdet’s nie erjagen.« Aber immer weniger wird uns erlaubt, diese Frage einfach beiseite zu schieben, uns hinter der vermeintlichen Unmöglichkeit ihrer Lösung zu verschanzen. Selbst der Gehirnforscher und Nobelpreisträger Sir John Eccles bekennt sich zu der Überzeugung,

»daß es etwas gibt, was ich den übernatürlichen Ursprung meines einmaligen, sich seiner selbst bewußten Geistes oder meiner einmaligen Individualität oder Seele nennen möchte« (Eccles/Zeier: »Gehirn und Geist«, Kindler-Verlag).

Wenn Gordon Rattrey Taylor in dem schon genannten Buche die Meinung äußert: »Der Körper ist nur eine Maschine, die wir fahren«, so ist ihm damit das Zugeständnis entschlüpft, daß unser eigentliches Ich nicht mit diesem Körper gleichzusetzen ist, und Sir Charles Sherrington, der als einer der bedeutendsten Neurologen unseres Jahrhunderts gilt, räumte ein:

»Daß unser Wesen aus zwei fundamentalen Elementen bestehen soll, hat – wie ich glaube – keine größere Unwahrscheinlichkeit für sich als die Ansicht, es bestehe nur aus einem solchen Element. Wir müssen wohl davon ausgehen, daß die Beziehung zwischen Geist und Körper ein immer noch ungelöstes Problem ist.«

Das ist ein sehr einsichtsvolles Wort, es genügt vollauf für diese Betrachtung. Es würde erfordern, daß wir darnach handeln. Die Rechtsordnung kennt den Grundsatz »Im Zweifel zugunsten des Angeklagten«; er soll uns davor bewahren, aus mangelnder Kenntnis Unrecht zu tun. Hier in der Medizin aber begibt sich das Ungeheuerliche: Ohne jegliche Scheu vor dem Zweifel experimentieren wir an dem uns zugänglichen Teil einer – zumindest nicht ausschließbaren – viel weiter reichenden menschlichen Ganzheit herum.
Ein Eingriff wie die Herztransplantation ist ein Balanceakt auf schmalem Grat: Innerhalb weniger Minuten nach dem Stillstand des Spenderherzens muß die Entnahme erfolgen. Hier muß sich doch die Frage stellen: Ist der Mensch, dessen Herz noch vor Minuten den Dienst versah, wirklich schon tot?
Wir werden solcherart gezwungen, über das Wesen des Todes nachzudenken. Was aber wissen die Menschen wirklich davon? Wie einfach war es doch früher einmal gewesen: Das Herz stand still, die Atmung setzte aus – folglich war der Mensch tot. Inzwischen hat man erkennen müssen, daß selbst »klinisch Tote« wieder ins Leben zurückkehren können. Jetzt unterscheidet man drei Stadien des Todes: Neben dem schon erwähnten »klinischen Tod«, durch Stillstand von Herzschlag und Atmung gegeben, kennt man den »cerebralen Tod«, der bereits Dauerschädigungen des gegen Sauerstoffmangel besonders empfindlichen Gehirns bewirkt, und schließlich den »biologischen Tod«, das endgültige und unbehebbare Darniederliegen des Kreislaufs.
Aber ist damit das Rätsel des Todes gelöst? Keineswegs! Professor Nissen faßte dies in der Zeitschrift »Bild der Wissenschaft« mit den Worten zusammen:

»Der scharfe, eindeutige Übergang vom Leben zum Tod ist mit den modernen Erkenntnissen von Medizin, Biologie und Technik wieder unscharf und problematisch geworden. Wie bei den antiken Griechen stößt der Lebensnachen diesseits des Lebens ab und legt einen dunklen, unüberschaubaren Weg zurück.« ...

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